
Reiner Calmund gibt seine Einschätzung zu den Klubs der 1. Liga ab
Die EURO 2008 war gestern, ab jetzt ist wieder Bundesliga! Und die ist ein absolutes Premium-Produkt, das die Euphorie der EM mitnehmen wird in die neue Saison. Tolle Stadien, neue Stars wie die beiden italienischen Weltmeister Cristian Zaccardo und Andrea Barzagli beim VfL Wolfsburg, Kult-Trainer wie Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund und Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München, und Traditionsklubs wie Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln zurück in der Eliteliga – kein Wunder, dass der Dauerkarten-Verkauf alle Rekorde bricht. Der Top-Experte in Sachen Bundesliga-Fußball checkt hart, aber fair die 18 Teams kurz vor dem Anpfiff zur neuen Saison.
BAYERN MÜNCHEN:
Dass ich Uli Hoeneß für den besten Bundesliga-Manager der letzten Jahrzehnte und für einen ganz schlauen Fuchs halte, ist ja bekannt. Und deshalb mache ich mir auch keine Sorgen um die Bayern: Außer Tim Borowski kein namhafter Neuzugang, dafür eine zweistellige Millionensumme in den Umbau des Trainingscamps an der Säbener Straße gesteckt – das ist mutig, innovativ, visionär. Neu-Coach Jürgen Klinsmann gibt Vollgas, investiert in Steine statt in Beine und Uli nickte alles ab – neue Zeiten bei den Bayern. Mir gefällt die Philosophie von Jürgen Klinsmann, durch gezielte Trainingsmaßnahmen jeden Spieler fünf bis zehn Prozent individuell zu verbessern und damit auch das Bayern-Team noch stärker zu machen. Sie sind der Titelverteidiger und Favorit Nummer eins, darüber muss man nicht diskutieren. Die Bayern haben von allem das meiste und das Beste. Trotzdem: Langeweile kommt nicht auf. Denn es gibt ein Team, das die Bayern schlagen kann. Und das sind die Bayern selbst. Wenn Kahn-Nachfolger Rensing zu oft patzt. Wenn Sagnol zu oft motzt. Wenn Borowski nicht spielt. Wenn Podolski zu oft draußen sitzt oder die Bayern in der Champions League zu früh patzen. Das alles sind Gefahrenherde. Da wird Hoeneß dem Klub-Trainer-Neuling Klinsmann zur Hand gehen müssen – aber der Uli ist ja ein schlauer Fuchs.
WERDER BREMEN:
Auf den ersten Blick haben die Bremer einen sportlichen und finanziellen Aderlass erlitten: Womé weg, Borowoski weg, Klasnic weg und Carlos Alberto, der vor Jahresfrist für viele Millionen kam, erstmal wieder mit Verlust nach Brasilien ausgeliehen. Prominente Neue? Fehlanzeige! Okay, Sebastian Prödl, der junge Ösi, kann ein neuer Pezzey werden. Aber sonst suchen die Bremer noch und warten auf den neuen Stürmer. Trotzdem mache ich mir wenig Sorgen. Vielleicht wegen der Mertesacker-Verletzung. Oder weil es Streit mit Diego wegen Olympia gab. Doch Thomas Schaaf und Klaus Allofs werden nie die Nerven verlieren, auch wenn es mal nicht so läuft wie erhofft. Die geringe Fluktuation hat, genauso wie bei den Bayern, ja auch Vorteile: Die Truppe geht eingespielt ins Rennen und kann von Anfang an gleich los legen, muss keine „Rücksicht“ auf Neue nehmen. Obwohl sie das für einen neuen Top-Angreifer sicherlich gerne in Kauf nehmen würde. Wenn alles glatt läuft, werden sie auch in dieser Saison wieder Richtung Champions League-Qualifikation marschieren.
FC SCHALKE 04:
Früher habe ich gerne in Holland eingekauft: Schokolade, Kaffee – alles war billiger. Schalke ging jetzt auch bei den Nachbarn shoppen - aber das hat erstmal richtig gekostet. Ablösesumme für Trainer Fred Rutten in unbekannter Höhe. 5,5 Millionen Euro für dessen Lieblingsschüler, den Mittelfeldrenner Orlando Engelaar, de mir bei der EM sehr gut gefallen hat. Und dann noch satte 10 Millionen für Jefferson Farfan, den Peruaner von PSV Eindhoven, der teuerster Schalker Einkauf aller Zeiten ist. Farfan ist ein toller Offensivzauberer, schoss in Holland in 90 Spielen 48 Tore. Doch ebenso gilt er als kleiner Filou, der gerne mal Party macht. Mal sehen! Für mich hat sich Schalke mit den beiden jedenfalls sehr gut verstärkt. Sie werden von Anfang an in der Spitzengruppe ein Wörtchen mitreden. Etablierte Kräfte wie Asamoah, Rakitic, Altintop und Krstajic werden Bekanntschaft mit der Bank machen. Da heißt es: Ruhe bewahren!
HAMBURGER SV:
Ich bin als kleines Dickerchen ja ein Gemütsmensch. Doch das Wechseltheater um Rafael van der Vaart ging auch mir zuletzt nur noch auf den Keks! Obwohl der Transfer zu Real Madrid nun endgültig perfekt ist, sehe ich für den HSV nicht schwarz. Natürlich fehlt mit Van der Vaart nun der absolute Top-Star, aber ich bin überzeugt, dass der neue Chef-Coach aus Holland den Verlust im Team kompensieren wird. Martin Jol ist eine Type, den werden die Fans lieben, da bin ich sicher. Spieler wie Thimothée Atouba, Mohammed Zidan und vor allem Piotr Trochowski werden beim rundlichen Holländer neu auftrumpfen. Und wer weiß, vielleicht schlägt mein Geheimtipp ja ein. Der heißt Jonathan Pitroipa, kommt aus Freiburg, ist Nationalspieler aus Burkina Faso und ein dermaßen begnadeter Fußballer – da blieb selbst mir altem Sack die Spucke ein paar Mal weg, wenn der aufzaubert. Wer weiß, wenn er hält, was er verspricht, dann redet am Ende keiner mehr von Rafael van der Vaart. Außerdem haben Vereinsboss Bernd Hoffmann und Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer immer noch die Möglichkeit, die rund 14 Millionen Transfer-Einnahme aus Madrid in ein oder zwei neue Spieler zu investieren.
VfL WOLFSBURG:
So ändern sich die Zeiten! Früher musstest du die Stars im Kader der Niedersachsen mit der Lupe suchen. Jungs wie Stefan Effenberg sorgten zwar vorübergehend für Glanz, aber am Ende ihrer Karriere holten sie sich in erster Linie bei VW noch mal ein neues Auto und ein paar EURO ab. Und heute? Da wimmelt es nur so von Nationalspielern und Top-Acts. Felix Magath ging mit dem ganz großen Geldkoffer einkaufen. Cristian Zaccardo und Andrea Barzagli kamen für knapp 21 Millionen EURO aus Palermo – zwei italienische Nationalspieler! Diego Benaglio, der Schweizer Keeper ist schon ein halbes Jahr da. Zvezdan Misimovic aus Nürnberg kostete rund 5 Millionen – Junge, Junge, der Felix muss wirklich glücklich sein. Doch er braucht den großen und starken Kader, um die Erwartungen der Wolfsburger Fans und vor allem des VW-Konzerns in der kommenden Saison sowohl in der Liga als auch im UEFA-Cup zu erfüllen. Um Magath, dem Alles-Könner, mache ich mir keine Sorgen. Der Trainer-Manager-Geschäftsführer hatte in Stuttgart mit Talenten und in München mit Stars große Erfolge – in Wolfsburg macht’s die Mischung.
VfB STUTTGART:
Zunächst mal herzlichen Glückwunsch, Horst Heldt! Der hat den Außenverteidiger Andreas Beck, ausgezeichnet mit der geballten Erfahrung von 27 Bundesligaspielen, für über drei Millionen EURO nach Hoffenheim verkauft – das muss ihm erstmal einer nach machen. Und den ewig mit seinem Weggang kokettierenden Fernando Meira ist er auch los – für 5 Millionen EURO ging der Portugiese zu Galatasaray. Eingekauft haben Heldt und sein kongenialer Partner Armin Veh auch: Jens Lehmann kommt für ein Jahr als Keeper. Mutig, aber gut. Der kann es noch und strahlt was aus. Khalid Boulahrouz ist bei allen Problemchen ein gnadenloser Fighter für die Abwehr, der lässt Meira vergessen, da gehe ich jede Wette ein. Mit dem legt sich keiner so schnell an. Und Jan Simak? Dem gönne ich es, dass er nach seiner Karrieren-Achterbahnfahrt wieder die Kurve nach oben kriegt. Und dem Mario Gomez, dem EM-Frustrierten, die Bälle auflegt, die der braucht, um mit Toren wieder Selbstvertrauen zu tanken.
BAYER LEVERKUSEN:
Bruno Labbadia bekommt gleich auf seiner ersten Station als Bundesliga-Trainer die Möglichkeit, einen UEFA-Cup-Kandidaten zu coachen – nicht schlecht zum Einstieg! Bayers Kader verlor wenig Substanz, aber viel an Erfahrung: Barbarez und Ramelow beendeten ihre Laufbahn, und Bernd Schneider wird vermutlich erst zum Jahreswechsel wieder in dem jungen Bayer-Team Regie führen. Im Bayer-Kader stecken jede Menge Talente: Adler, Castro, Henrique, Barnetta, Renato, Vidal, Helmes, Kießling. Doch mal sehen, ob die Jung-Füchse um den neuen Kapitän Simon Rolfes in dieser Saison mehr Kontinuität zeigen. Die Einkäufe waren jedenfalls in Ordnung und die Stadionbaustelle darf keine Entschuldigung sein. Kleiner Tipp am Rande: Als Bayer 1988 UEFA-Cup-Sieger wurde, da gelang dies in einer Baustelle, damals wurde das Bayer-Stadion erstmals modernen Anforderungen angepasst. Also: Keine Ausreden suchen, lieber an sich selbst glauben und den verloren gegangenen UEFA-Cup-Platz wiederholen!
HANNOVER 96:
Als ich noch bei Bayer Leverkusen war, vor über 10 Jahren, da hatten wir mal ein Talent an der Angel wie kaum eins vorher. Der junge Mann kam aus Finnland, war in Deutschland geboren und konnte kicken wie ein junger Gott. Statt zu Bayer wechselte er in letzter Sekunde zum FC Chelsea – die Engländer boten im Monat das, was wir im Jahr zahlen konnten. Es begann eine Tour durch Europa, gespickt mit Toren (auch für Mönchengladbach zum Klassenerhalt) und vielen Verletzungen. Heute ist Mikael Forsell 27 und kickt für Hannover 96 – Wahnsinn! In Niedersachsen tut sich was. Martin Kind, der Hörgeräte-Guru, hat Blut geleckt. Außer Forsell kam Jan Schlaudraff, unglücklicher Edel-Techniker aus München. Mario Eggimann verstärkt die Abwehr, mit Florian Fromlowitz kam eines der größten deutschen Torhüter-Talente aus Kaiserslautern. Dazu arbeitet dort mit Dieter Hecking ein Trainer, für den Ordnung und Ruhe erste Bürgerpflicht ist, ein Mann mit Plan.
EINTRACHT FRANKFURT:
Was in Hannover oder Wolfsburg gilt, gilt plötzlich zumindest teilweise auch in Frankfurt: „Geld auf den Tisch, Spieler her!“ Hier wurde jahrelang nur ablösefrei verpflichtet. Und plötzlich rollt der Rubel am Riederwald. Aber: Mein alter Freund Heribert Bruchhagen würde das nie zulassen, wenn es nicht wirtschaftlich abgesichert wäre. Pech für Trainer Funkel, dass sich mit Ümit Korkmaz, dem österreichischen Nationalspieler, der prominenteste Neue gleich schwer verletzte – Fußbruch, drei Monate Pause. Klar ist: In der traditionell verwöhnten Main-Metropole wachsen mit den Ablösesummen auch die Ansprüche. Doch zum Glück stehen Vereinsboss Heribert Bruchhagen und Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Becker mit beiden Füssen auf dem Boden: „Unsere realistische Zielsetzung ist Platz 8-11, in den nächsten Jahren wollen wir mit unserem jungen Team natürlich dann auch etwas in Richtung Europa schielen“, erklären beide unermüdlich, um auch die Traumtänzer im Eintracht-Umfeld ruhig zu halten.
Hertha BSC Berlin:
Sie sind über die Fairplay-Wertung der UEFA in den internationalen Wettbewerb gerutscht – sportlich reichte es beim Hauptstadtklub hinten und vorne nicht. Sie unternehmen seit Jahren Anstrengungen ohne Ende und kommen doch nicht so recht aus der Grauzone. Seit der Schweizer Lucien Favré Trainer ist, wurde fast die gesamte Mannschaft ausgetauscht, jetzt müsste seine Arbeit auch Zinsen bringen. Zuletzt kam mit dem hoch veranlagten Tunesier Mohamed Chermiti noch ein neuer Stürmer, der helfen soll, die One-Man-Show im Hertha-Angriff zu beenden. Deren Hauptdarsteller ist Marko Pantelic, Torjäger vom Dienst und einer, der mit seinen Sonderwünschen Dieter Hoeneß oft zur Verzweiflung bringt. Zuletzt wollte er sogar einen Anschlussvertrag als Manager. Aber: Den Job macht Hoeneß selbst und als Nachfolger steht Michael Preetz bereit. Und Pantelic? Der soll Tore schießen.
KARLSRUHER SC:
Der Überraschungs-Aufsteiger der Vorsaison wird es schwerer haben. Nicht nur, weil mit Mario Eggimann und Tamas Hajnal (ihn soll Antonio Da Silva ersetzen) zwei wichtige Eckpfeiler den Klub verließen. Nein, die Liga ist einfach stärker geworden. Die drei Aufsteiger haben ehrgeizige Pläne und vor allen Dingen mehr Geld als der KSC. Doch Trainer Ede Becker und Manager Rolf Dohmen verstehen es, aus wenig viel zu machen. Und deshalb gehören die Badener nicht automatisch zum Kreis der Abstiegskandidaten. Ein Garant für Punkte ist sicherlich Torhüter Markus Miller, der sich in seiner ersten Bundesligasaison auf Anhieb in den Kreis der Besten fing und faustete. Was fehlt, ist ein Knipser: Timm, Iashvili, Freis, Kapllani, Kennedy – alles gute Jungs, aber keiner von ihnen ist ein echter Goalgetter. So müssen sie gemeinsam die entscheidenden Tore für den KSC erzielen.
VfL BOCHUM:
So langsam mausern sich die wackeren Westfalen wieder zu den „Unabsteigbaren“, die sie in den 90iger Jahren waren. Ruhig und bedächtig arbeitet Trainer Marcel Koller an dem neuen VfL-Team. Theofanis Gekas wurde nach seinem Wechsel durch Stanislav Sestak vollwertig ersetzt – sensationelle Scoutingarbeit! Zwei alte, neue VfL-Profis mussten nicht entdeckt werden: Vahid Hashemian, der kopfballstarke Stürmer und Paul Freier, der Dribbelkünstler, kehren zurück zu dem Klub, bei dem sie groß wurden. Beide sind Hoffnungsträger. Mein Geheimtipp aber heißt Christian Fuchs. Er ist in der Bundesliga zwar noch unbekannt, aber für die österreichische Nationalmannschaft machte er starke Spiele auf der linken Außenseite. An Christian Fuchs waren noch andere Vereine interessiert, doch der VfL Bochum war – wie so oft in letzter Zeit – einfach schneller. Sehr positiv für die Bochumer wird sich auch die endgültige Verpflichtung von Azzouagh als Ideengeber auswirken.
BORUSSIA DORTMUND:
Auf Jürgen Klopp in Dortmund freue ich mich fast genauso wie auf Jürgen Klinsmann in München. Der „Kloppo“ ist ein cleverer Junge, der nun beweisen will, dass er nicht nur in Mainz arbeiten kann. Gut für ihn: Nach den mageren BVB-Jahren mit van Marwijk, Röber und Doll kann es nun wirklich nicht mehr der Trainer alleine sein, wenn es nicht klappt. Der Kader wurde sicher aufgewertet, vor allen Dingen im Defensivbereich. Doch ob Santana, Hummels und Subotic – alle um die 20 – bereits die Erfahrung eines Robert Kovac ersetzen können, da bin ich skeptisch. Auf ihn zu verzichten, hielte ich für einen Fehler. Klar, Robbie ist 35, aber bei der EURO bewies er seine Klasse. Geduld werden sie brauchen in Dortmund, doch ich glaube, dass die Mannschaft stärker ist als in der vergangenen Saison. Jürgen Klopp wird mit seinem Team auf alle Fälle besser abschneiden als im letzten Spieljahr, wo man nur einen enttäuschenden 13. Tabellenplatz belegte.
ENERGIE COTTBUS:
Als keiner mehr einen Pfifferling für Energie Cottbus gab, kam ein gewisser Bojan Prasnikar und schaffte mit dieser Truppe der Namenlosen den Klassenerhalt. Wie vor ihm Petrik Sander. Sensationell! Dass der Fußball, den Energie bietet, nicht immer schön aussieht, hat nicht zu interessieren. Fakt ist, dass mit wenig Mitteln, aber viel Kampf, Leidenschaft und Enthusiasmus das Optimum erreicht wurde. In der gedachten Wunschelf stehen mit Gerd Tremmel und Timo Rost nur zwei Deutsche. Energie muss seit Jahren intelligent, preiswert und gut einkaufen. Mit dieser Politik und Marschrichtung haben sie in den letzten beiden Jahren, überraschend für alle, zweimal den Klassenerhalt geschafft. Hoffnungsträger in der kommenden Saison ist wieder einmal ein Rumäne: Emil Jula soll in die Fußstapfen seiner Landsleute Radu, Munteanu oder früher Miriuta oder Reghecampf treten. Jula soll Tore schießen und das große Ziel sichern: Aber Voraussetzung für den Klassenerhalt sind Teamgeist und Zusammenhalt im ganzen Klub und vor allem die Unterstützung durch bei den Heimspielen.
ARMINIA BIELEFELD:
Es hat sich einiges geändert in Bielefeld. Aus der alten Alm wurde die moderne Schüco-Arena und aus dem Duo Ernst Middendorp/Reinhard Saftig wurde das Tandem Michael Frontzeck/Detlev Dammeier. Doch Trainer und Sportchef stehen vor alten Problemen. Mit wenig Geld muss so klug eingekauft werden, dass der Abstieg verhindert wird. Wie wenig Geld da ist, zeigt die Tatsache, dass ein Zweitligist (Nürnberg) der Arminia mal kurz einen Stürmer wegkaufen kann. Mit Berat Sadik kam ein Angreifer aus Finnland, zu ihm gesellte sich der Kapitän der sambischen Nationalelf, Chris Katongo von Bröndby IF. Er ist als schneller, beidfüßiger Dribbler nicht nur im Sturmzentrum, sondern auch als Links- oder Rechtsaußen einsetzbar. Ein Handycap ist für mich, dass mit Hain, Gabriel und Böhme gleich drei alte erfahrene Führungsspieler der Arminia nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Torgefahr jedoch ließ für den 1,5-Millionen-Einkauf zumindest in der vergangenen Saison zu wünschen übrig: In 27 Spielen traf Katongo nur fünfmal.
Borussia Mönchengladbach:
Souverän durch die Zweite Liga spaziert, den Aufstieg ein Jahr vor dem Plan geschafft – die Borussia ist wieder da. Und mit ihr Jos Luhukay, ein ruhiger Trainer, ein akribischer Arbeiter, ein guter Typ. Auch Jung-Manager Christian Ziege hat eine Lehrzeit erfolgreich abgeschlossen, Verein und Spieler schätzen seine Fußballkompetenz und vor allem das Wir-Gefühl, das er beim Klub und in der Mannschaft geschaffen hat. Ich freue mich auf jede Menge Traditionsderbies. Ob gegen Köln, Leverkusen, Schalke oder die Bayern - die Borussia zieht. Der Star heißt Marko Marin, spätestens seit er im Sommer fast auf den EM-Zug gesprungen wäre. Mal sehen, wie der kleine, wendige Zauberer sich in der Bundesliga präsentiert. Der Rest ist selbst für einen Insider eine Wundertüte. Weil die Borussia eben nicht mehr auf große Namen setzt, sondern auf junge, hungrige Spieler, die sich einen Namen machen wollen. Halt, eine Ausnahme ist erlaubt: Mein alter Spezi Oli Neuville, mittlerweile schon 35, will mit seinen Toren helfen, den Klassenerhalt zu sichern. Ihm gönne ich es mehr als jedem anderen. Weil Oliver einfach ein Supertyp ist.
TSG 1899 Hoffenheim:
Dieser Klub, so generös unterstützt von SAP-Gründer Dietmar Hopp, ist kein Aufsteiger wie alle anderen. Ich kann das Neidgelaber nicht mehr hören. Meine Güte: Hopp hat hier mit seinen Leuten was Phantastisches auf die Beine gestellt und jetzt wird man sehen, wie sich das in der Bundesliga weiter entwickelt. Natürlich haben sie viel Geld in die Hand genommen, und das vorwiegend für junge Spieler. Aber auch das muss man können. Viele andere hatten auch viel Geld und haben viel Mist gekauft. Unter Hopp haben Trainer Rangnick und Manager Schindelmeiser erstklassige Arbeit abgeliefert. Vor dieser Saison wurde wenig getan, lediglich Außenverteidiger Andreas Beck kam aus Stuttgart. Aber: ein Stürmer soll es schon noch sein. Und da nicht irgendeiner: entweder der Brasilianer Sobis (Betis Sevilla) oder der Schweizer Eren Derdiyok vom FC Basel. Für beide wären wieder Millionen fällig. Aber noch einmal: Es ist ehrlich verdientes Geld, ich freue mich auf Hopp und das Experiment Hoffenheim.
FC Köln:
Meine rheinischen Spezis! Mein Kumpel Christoph Daum. Mein Freund und Trauzeuge Dieter Trzolek! Meine Güte, der FC ist wieder da. Tolles Stadion, klasse Publikum - aber wird es sportlich reichen? Ich glaube ja - wenn alle an einem Strang ziehen. Die Verstärkungen können sich sehen lassen. Geromel, der Abwehrrecke, und Petit, der Star aus Lissabon sollten die Defensive bereichern. Womé ist ein erfahrener Verteidiger (mit ein paar Flausen) und als Konter-Stürmer ist Willi Sanou sogar schneller als David Odonkor (und manchmal als der Ball!). Mannaseh Ishiaku ist ein richtiger Brecher, aber sehr verletzungsanfällig, ich hoffe, Physiotherapeut „Trzolli“ findet für ihn die richtigen Hausmittelchen. Denn vorne ist der FC dünn besetzt, dort kann man sich keine Ausfälle erlauben. Die Geißböcke können den Klassenerhalt schaffen. Einen Wunsch habe ans Umfeld: Bitte nicht beim ersten Sieg vom UEFA-Cup träumen! Schön die Bleischuhe anziehen.
