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IN EIGENER SACHE
IN EIGENER SACHE

Stellungnahme von Reiner Calmund zu seiner Jubiläumsrede beim Express


Obwohl ich zur Zeit in Urlaub bin, möchte ich die aufgeregten Kritiker meiner Rede zum Express-Jubiläum beruhigen. Mit der Vorlage meines Manuskripts möchte ich Spekulationen über den Inhalt meines Vortrages beenden.

Zuerst eine Antwort auf einige böswillige Spekulationen: Für den Vortrag gab es kein Honorar, ebenso fielen keine Spesen oder Reisekosten an. Der Inhalt meines Vortrages war weder mit der Geschäftsführung noch mit der Chef-Redaktion des Verlages abgesprochen. Ich war auch nicht informiert über Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Es handelte sich ausschließlich um eine Ansprache zum 50-Jährigen Jubiläum des Express.

Die Rede beinhaltete in erster Linie einen Rückblick auf erfolgreiche 50 Jahre Express. Dann natürlich auch eine klare kurze Analyse der gegenwärtigen Situation, verbunden mit dem sich aus meiner Sicht ergebenen Anforderung an das Unternehmen für eine erfolgreiche journalistische und wirtschaftliche Zukunft.

Die gesamte Rede, ich wußte schon, dass es sich bei den Zuhörern um 98 % Mitarbeiter handelte und es keine Unternehmer-Versammlung war, dauerte knapp 25 Minuten. Es ist schon bemerkenswert, dass man ganz wenige - zugegebenermaßen durchaus hemdsärmelige Passagen, zu denen ich voll und ganz stehe  - aus dem Zusammenhang reißt und auch noch erklärt, es habe sich um eine Brandrede und Kampfansage gegen Arbeitnehmerrechte gehandelt. Aufgrund dieser Fakten möchte ich mit einigen Sätzen aus meinem Manuskript für Klarheit sorgen.

Damit kann jeder leicht verstehen, dass meine Forderungen sich sowohl an den Unternehmer als auch an die Arbeitnehmer-Vertreter richteten. Ich habe deutlich gemacht, dass weder überhöhte Gewinn-Absichten der einen Seite noch überzogene Forderungen der anderen Seite der Gesamtlage dienlich sein können. Es ging mir dabei allein darum, wie der Express für die kommenden 50 Jahre gut aufgestellt werden könnte. Vor allen Dingen ging es mir um die Sicherung von Arbeitsplätzen. Hier ein paar Passagen:

Wie mir mein langjährigen TV-Partner Heinz Horrmann, der den Express mit aufbaute, stolz berichtet, "war in der Pionierzeit des Express Feierabend ein Fremdwort. Jeder schuftete freiwillig mehr, als er eigentlich musste!“

Ist das altmodisch? Oder heute wieder so modern wie früher?
Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten.

Man kann doch nicht davon ausgehen, dass man ohne das gleiche Engagement
der erfolgreichen Anfangszeiten, den Express auf einem viel schwieriger gewordenen medialen Markt genauso erfolgreich weiterführen kann.

Gerade im Jubiläums-Jahr kann und muss man neu Durchstarten. Dabei heißt die Devise:  Feste arbeiten, arbeiten, dann kann man auch (F)feste feiern, ganz nach dem Motto: Nicht quatschen, sondern machen.

Ich jedenfalls kenne weder einen Arbeitnehmer noch einen Selbstständigen, der mit 35-40 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit erfolgreich ist. Kinder reicher Eltern sind davon natürlich ausgeschlossen.

Der Kampf um die Kunden ist härter geworden.
Der Umbruch auf dem Markt betrifft alle.
Die „Gesellschaft 2.0“ will heutzutage anders bedient werden.
Facebook, Twitter, Blogs etc. sind die Nachrichtenlieferanten von heute,
das ist die Wiese auf der gespielt wird.
Wer diesen Umbruch nicht vollzieht, der hat heute schon verloren.

Ich will die Anforderungen, die an eine Zeitung gestellt werden,
aus meiner Sicht kurz darlegen:

Die Auflage bricht ein, die Zahlen sind schlechter als früher.
Was tun? So weiter machen wie bisher? Geht nicht!
Also: Den Markt erforschen und sich anpassen.
Das ist nicht immer einfach. Denn es verlangt Veränderungen von jedem von uns.

Runter von gemütlichen Drehstuhl, raus zu den Terminen. Präsent sein.
Als EXPRESS für den Kunden!
Schnell und schneller sein als die Konkurrenz.
Die Kunden wollen geangelt werden – mit Top-Stories, mit Service.

50 Jahre – das bedeutet Tradition!
Aber: Tradition schießt keine Tore - und sichert dem Express keine Auflage.
Dutzende deutscher Traditionsunternehmen sind den Bach runtergegangen, weil die Chefs geglaubt haben, es geht immer so weiter wie früher.
Wer nur auf das „Früher“ baut, hat im „Morgen“ keine Chance – das ist ganz sicher!
Typen die morgens dafür und nachmittags dagegen sind,
die mit einen schlecht gelaunten Gesicht Sand ins Getriebe streuen
und erklären:  Dass haben wir schon immer anders gemacht,
denen musst Du die Briefmarke auf den Arsch kleben:
Stimmung ist das A. und O. für den Erfolg im Unternehmen.

Dass wir uns nicht falsch verstehen:
Erfahrung ist unerlässlich für jedes Unternehmen.
Alte erfahrene Haudegen sind genauso wichtig wie junge dynamische Mitarbeiter, die unbedingt ihre eigenen Wege gehen sollen
Die jungen sind schneller - die alten kennen dafür die Abkürzungen.
Wie gute Ausbildung und ständige Fortbildung
bilden auch beide Mitarbeiter-Generationen
jeweils eine der Säulen, auf denen sich jedes Unternehmen stützt.

Ich komme aus ganz einfachen familiären Verhältnissen. Ich halte eine Arbeitnehmervertretung für wichtig, damit die Unternehmer nicht mit einer
„Bonus- und-Gewinn–Gravur“ auf der Stirn herumlaufen.

Genauso wichtig ist jedoch, dass die Vertreter der Arbeitnehmer,
die oft seit vielen Jahren von der Arbeit für die Gewerkschaft freigestellt sind,
für das Unternehmen keine unzumutbaren Forderungen stellen
und Erfolg und Existenz des Betriebes gefährden
und damit Arbeitsplätze vernichten.
Denen muss man dann den Stecker ziehen,
sonst kann man irgendwann die Rollladen runter lassen
und aus der Konservendose essen.

Ich bin überzeugt davon, dass der EXPRESS mit der Erfahrung der vergangenen 50 Jahre, der Kompetenz und dem Knowhow seiner Mitarbeiter
und der Leidenschaft eines jeden von Euch
auch die nächsten Jahre erfolgreich angehen kann.

Ich persönlich bin stolz, meinen kleinen Teil dazu beitragen zu dürfen.
Mir macht es Spaß. Und ich hoffe, ich kann die Liga bei Euch noch lange rund machen.

Zum Abschied noch ein afrikanisches Sprichwort. Es entstammt einem Naturvolk und passt dennoch auf die Situation wie die Faust aufs Auge:

„Jeden Morgen erwacht in Afrika eine Gazelle. Sie weiß, sie muss schneller rennen als der schnellste Löwe, oder sie wird gefressen.

Jeden Morgen erwacht in Afrika ein Löwe. Er weiß, er muss schneller rennen als die langsamste Gazelle, oder er wird verhungern.

Egal, ob Löwe oder Gazelle – oder als Mitarbeiter vom Express
bei Tagesanbruch muss man rennen.“

Rennt auch Ihr!  Schnell, schneller – EXPRESS!
Das ist der Slogan vom Express

Es klingt simpel – aber es ist ein harter Kampf.
Um jede Story, jede Zeile, jeden Kunden. Und für jeden von Euch heißt das:
ES KOMMT NICHT DARAUF AN WAS DU KANNST! ES KOMMT DARAUF AN, WAS DU TUST!

Mit Respekt und Toleranz von beiden Seiten ist das leicht möglich.


Soviel aus meinem Manuskript der Rede. Nach dem Vortrag gab es von den Mitarbeitern und der Geschäftsführung Beifall und ausschließlich Zustimmung. Auch in den anschließenden Einzel-Gesprächen gab es keinerlei Kritik.

Daher verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass mich einige hier bewusst missverstehen wollen. Wer mich kennt weiß, dass gute Mitarbeiter für mich immer die wichtigste Resource für den Erfolg eines Unternehmens sind. Und ich bin überzeugt, dass fast jeder, der bei mir gearbeitet hat bestätigen würde, dass ich über genügend emotionale Intelligenz und soziale Verantwortung verfüge. Ich habe natürlich hohe Anforderungen an meine Mitarbeiter gestellt, allerdings bin ich auch immer mit gutem Beispiel vorangegangen.

Reiner Calmund



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