
Herr Calmund, wie geht es Ihnen, war Ihre Asienreise erholsam?
Wunderschön war es. Tolle Menschen, gesundes Essen, jede Menge Gastfreundschaft und Sie werden es nicht glauben - selbst in Thailand gibt es einige FC-FanKlubs. In Pattaya gibt es sogar eine FC-Kneipe mit dem "Geißbock" auf dem Werbeschild, da hörst du von morgens bis abends Höhner, Brings und Bläck Fööss.
Mal „Butter bei die Fische“: Wie ärgerlich kann es werden, einen Mann wie Tosic im Bewusstsein zu holen, dass dieser nur bis zum Saisonende bleiben kann, gerade wenn er so eine Leistung wie zurzeit abliefert?
Ich kannte den Jungen gar nicht. Aber ich war angetan von seinen technischen Finessen und seiner Dribbelstärke. Da Tosic bei Manchester United sehr selten spielte, gehe ich davon aus, dass im Vertragswerk zwischen Klubs und Spieler auch Möglichkeiten für den Verbleib auch in der kommenden Saison verankert sind. Und wenn nicht, dann ist das ärgerlich. Aber dann war es wichtig, nur für die Rückrunde einen guten, kreativen Spieler an Bord gehabt zu haben.
In der Hinrunde 2009/2010 der 1. Bundesliga standen mit vier neuen Gesichtern (Tuchel, Soldo, Dutt und Oenning) neue und junge Trainer an der Seitenlinie. Wurde es nicht höchste Zeit, den Trend der jungen Eigengewächse auch auf der Trainerbank zu integrieren?
Es gibt nur gute und erfolgreiche Trainer. Dabei ist völlig egal, ob der jung und dynamisch ist oder älter und erfahren. Zvonimir Soldo war als Spieler eine große Persönlichkeit. Denken Sie, dass Soldo als Trainer seine Linie überhaupt schon finden konnte? Aller Anfang ist schwer. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich habe den Eindruck, dass Soldo von Woche zu Woche dazulernt und mit dem FC auf einem guten Kurs Richtung Klassenerhalt und unteres Mittelfeld ist. Es heißt ja immer, dass der FC-Fan ein großer Träumer ist und Ziele hat, die nie im Einklang mit dem aktuellen Kader stehen.
Meinen Sie nicht, dass die Kölner Medienlandschaft nicht mindestens genauso mit Ihrer Berichterstattung träumt und der Realismus zur aktuellen Situation fehlt?
Um große Ziele zu realisieren, muss man erstmal Träume und Visionen haben. Dabei ist es wichtig, auch mal was zu realisieren. Sonst wird der Visionär schnell zum Traumtänzer. Ich drücke dem FC die Daumen, dass er sich fest in der Liga etabliert. Aber diesen Weg muss man geduldig Stufe für Stufe nehmen, Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut. Ein bisschen emotionale und überzogene Begleitmusik ist in Köln normal, das gehört dazu und schadet keinem.
Zum Abschluss, wie teilen Sie die Meinung, dass Podolski schon viel eher zu alter Form gefunden hätte, wenn alle Medien ruhiger und gelassener seine Rückkehr zum FC dokumentiert hätten? Immerhin liegt hier ein Fokus, der das Teamspiel Fußball vergessen lassen kann.
Die fußballerische Qualität von Lukas ist unbestritten. Aber die Erwartungen unter dem Motto "Der Prinz und Erlöser ist da!" sorgten für einen unmenschlichen Druck. Wenn man dann nicht hundertprozentig fit und gesund ist, wenn mit den neuen Kollegen spielerisch noch nicht alles rund läuft, dann kann man logischerweise nicht alle Qualitäten abrufen. Die Schuld in diesem Falle bei den Medien zu suchen, ist sicherlich nicht richtig. Zumal man sie gerne ins Boot holt, wenn es darum geht Emotionen zu wecken und Unterstützung zu finden.
Quelle: http://www.fc-blog.de/interviews/calmund.html