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„Schenk den Jahren mehr Leben“
„Schenk den Jahren mehr Leben“

Reiner Calmund gibt sich im RNZ-Exklusivinterview sehr volksnah und menschlich – Seine Vorfreude auf den SportAward Rhein-Neckar und das „Hoffe“-Spiel ist groß


Saarlouis/Heidelberg. Reiner Calmund ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Vor allem aber genießt der lebensfrohe Rheinländer, der mit seiner Familie in Saarlouis lebt, große Sympathien auf grund seiner lockeren, humorvollen Art. „Calli“ kann über sich selbst lachen. Am kommenden Montag wird der Tausendsassa bei der Gala des SportAward (ab19 Uhr) in der Heidelberger Stadthalle als Laudator fungieren. Zuvor besucht Calmund das Bundesliga-Sonntagsspiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem Hamburger SV. Calli hat mehr Bezug zur hiesigen Metropolregion als gemeinhin bekannt ist. Die RNZ führte am Mittwoch ein herzerfrischendes Exklusivinterview. Sogar eine Anekdote über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump hatte der 67-Jährige auf Lager.

Herr Calmund, wie kam der Kontakt nach Heidelberg zustande?

Simone Schulze, Inhaberin vom Veranstalter SIM Marketing, lud mich zu diesem Event ein. Ihr kann man sehr schlecht absagen. Simone wäre auch eine gute Zahnärztin geworden, sie bohrt dir solange auf den Nerv, bis du ja sagst. Auf den SportAward freue ich mich persönlich, weil in der Region viele Freunde und große Persönlichkeiten leben. Hier spontan meine Top-Five: Markus Münch, der Bayer mit seinem Tor zum 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern 1996 den Bundesliga-Klassenerhalt sicherte. Fußballgott Jürgen Kohler,der als Manager 2003, trotz vieler verletzter Top-Spieler, zunächst mithalf, den Abstieg zu verhindern und ein Jahr später seinen Anteil daran besaß, Bayer wieder in die Champions League zu führen. Klaus Schunk mit Radio Regenbogen und seiner gigantischen Award-Gala gehört ebenso dazu wie natürlich Dietmar Hopp, dessen berufliche, sportliche und gesellschaftliche Leistung ich bewundere. Der fünfte Mann ist Ronald Schmitt, einer meiner engsten Freunde aus Rippenweier bei Weinheim.

Was braucht ein SportAward, um Strahlkraft zu bekommen und sich zu bewahren? Erfolgreiche Vereine und Sportler, ein gutes Programm, großartige Gäste, treue Sponsoren und eine stimmungsvolle dritte Halbzeit.

 Was möchten Sie als Laudator des Livetime-Award dem Publikum generell vermitteln?

Dass hier ein Mensch im Mittelpunkt stehen soll, der Großes geleistet hat. Ich bin da eher unwichtig, nur der Bote. Im Fokus muss der Award-Gewinner stehen

Sie haben selbst zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Welche hat bei Ihnen am meisten Gänsehaut ausgelöst?

Zwei völlig unterschiedliche. 2002 bekamich nach der 1:2-Niederlage von Bayer 04 im Finale der Champions League gegen Real Madrid von der Uefa in Monaco die Fair-Play-Medaille überreicht. Darüber war ich sehr stolz, jedoch auch über unsere Spieler, Trainer, Mitarbeiter und unsere Fans, alle hatten diese Medaille gemeinsam verdient und mit gewonnen. Gänsehaut löste auch der Publikums-Bambi aus, den wir mit dem Team von „Grill den Henssler“ 2015 gewannen. Das hat mich unheimlich gefreut, zumal große TV-Stars wie Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger, Johannes B. Kerner, Kai Pflaume, Joko & Klaas mit nominiert waren. Die Zuschauer sind die unbestechlichsteJ ury überhaupt.

 Am Sonntag sind Sie in Sinsheim bei Hoffenheim gegen den HSV. Wie intensiv verfolgen Sie „Hoffe“?

Als viele noch auf Dietmar Hopp schimpften, habe ich schon gedichtet:„Hopp ist topp“. Dieser Mann hat nicht irgendeinen Klub in die Höhe gezogen, sondern seinen Jugendverein. Das ist legitim. Dieser Verein ist heute, wo Hopp Hauptgesellschafter ist, ohne seine Gelder im Profi-Fußball überlebensfähig. In der letzten Saison hat Hoffenheim rund 110 Millionen Euro eingenommen, bei einem Spieler-Etat von knapp 40 Millionen. Das ist neben dem sportlichen auch ein großartiger wirtschaftlicher Erfolg. Die Strategie von Hopp ist total aufgegangen, seine hohen Anschub-Investitionen machen sich bezahlt. Hoffenheim präsentiert ein erstklassiges Konzept. Spieler, Trainer, Management – überall ist der eigene Nachwuchs vertreten. Aktuell sind acht Nachwuchsspieler im Profi-Kader, ihre Bosse Alexander Rosen als Sportdirektor und Julian Nagelsmann als Cheftrainer kommen ebenfalls aus der Nachwuchsabteilung. Das ist in der Bundesliga fast beispiellos.

 Was sagen Sie zum großen Trainertalent Julian Nagelsmann?

Kennen Sie die Nagelsmann-Tabelle? Nagelsmann steht hinter Bayern und Dortmund auf Rang drei, was die Punkte angeht. Eine überragende Bilanz. Er ist ein Top-Talent. Ich hoffe, er bleibt mit beiden Beinen auf der Erde und entwickelt sich weiter nach vorne. Wenn er das packt und ein normaler Mensch bleibt,dann sehe ich ihn irgendwann bei einem ganz großen Klub.

 Apropos HSV: Leiden Sie mit dem Bundesliga-Dino?

Natürlich bin ich dafür, dass ein Bundesliga-Dino nicht absteigt. Aber um es mal klarzustellen: Ich war und bin nicht als Berater des HSV tätig, sondern mit Herrn Kühne befreundet. Wir haben uns mal bei einer Kreuzfahrt auf der MS Europa kennengelernt. Klaus-Michael Kühne hat dem HSV die Bundesliga-Lizenz gerettet und das Namensrecht für das Volksparkstadion zurückgekauft. Vor dieser Saison hat er 30 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung gestellt, diese hohen Beträge zahlt er aus seinem bereitsversteuerten Privatvermögen. Es stimmt nicht, dass er entscheidend ins operative Geschäft beim HSV eingreift. Hopp undKühne stehen sich mit der Form ihrer Unterstützung am nächsten – mit dem Unterschied, dass Hopp ein ausgewiesener Fußball-Experte ist.

 Welche Beziehung haben Sie noch zu Bayer Leverkusen?

Eine sehr gute. Rudi Völler ist mein Freund und das bleibt auch so. Ich habe meine Ehrenkarte und wenn es die Zeit erlaubt, lasse ich mich da gerne blicken.

Sie haben als junger Kerl in Frechen gekickt. Was ist genau bei ihrem Sportunfall geschehen, der Sie mit 18 Jahren zum Karriereende zwang?

Ein Tritt, ein Schrei – vorbei war’s mit der Kickerei. Für mich Glück im Unglück. Vielleicht wäre ich ein passabler Zweitligaspieler geworden. So bin ich als Manager in die Bundesliga aufgestiegen und durfte auch im internationalen Spitzenfußball mitmischen, was im Nachhinein der bessere Weg war.

 Medial sind Sie seit vielen Jahren sehr präsent. Was hat Sie bewogen, „BigBoss“ – die Adaptation von „The Apprentice“ eines gewissen DonaldTrump– zu machen? Ich hatte nach meinem Abschied von Bayer wieder Pfeffer im Allerwertesten. Da kam dieses Angebot direkt aus dem Himmel. Es war ein Thema, bei dem ich mich als studierter Kaufmann mit TV Erfahrung auskannte, es machte Spaß und die Siegerin von damals führt bis heute eine große und erfolgreiche Agentur.

 Ihre Haltung zu Trump? Er hat im Wahlkampf schreckliche Dinge gesagt. Fehlender Respekt vor Frauenund Ausländerfeindlichkeiten sind nicht akzeptabel. Es wird jedoch nicht alles so heiß gegessen, wie er es gekocht hat. Ich hoffe, er kommt zu der Einsicht, dass Menschlichkeit weit oben stehen muss.

Haben die Amerikaner Trump aus Politik verdrossenheit gewählt? Ich glaube ja. Auch in Deutschland herrscht Verdruss. Aber es ist schon richtig, dass sich in den USA tiefe Gräben zum politischen Establishment in Washington gebildet haben. Trump ist vielleicht nicht so berechenbar wie Hillary Clinton. Ich setze auf einen starken Kongress, hier wird über die Gesetzgebung und die Haushalte entschieden. Trump kann keine One-Man-Show machen, auch einer Kriegserklärung müsste der Kongress zustimmen. Und seine erste Rede nach der Wahl war sehr positiv und staatsmännisch.

Sie sind Donald Trump einmal persönlich begegnet…

Ja, das war 2004 in seinem Herrschaftssitz Mar-A-Lago in Palm Beach mit RTL. Donald Trump zeigte sich Deutschlandfreundlich, er war stolz, dass seine Großeltern aus der Pfalz stammten. Seine Frau Melania war freundlich und verbindlich. Donald Trump spielte ein bisschen Macho, aber beide traten als absolut herzliche Gastgeber in Erscheinung. Meine Frau Sylvia und ich haben schöne Erinnerungen daran. Es hat alles gestimmt.

Sie kochen sehr gerne. Was kann man beim Kochen fürs Leben lernen?

Ich bin übrigens am Teller um ein Vielfachesbesser als am Herd. Hier wie da müssen die Zutaten stimmen. Kochen kann demütig machen. Weil es passieren kann, dass man genau nach Rezept kocht und trotzdem etwas völlig anderes dabei rauskommt als erhofft. Kochen ist ebenso Herzenssache wie das ganze Leben. Mit Freunden gemeinsam kochen und nachher die Leckerchen bei einem netten Talk genießen, ist ein Highlight.

Sie gehen offensiv mit dem Fakt des eigenen Körpergewichts um. Welches Feedback bekommen Sie darauf?

Ich kann es ja nicht verbergen und den Leuten sagen, ich sei in Wirklichkeit dünn. Also gehe ich offensiv damit um. Und die Reaktionen sind okay. Alles in allem ist das kein Problem. Wäre ich plötzlich dünn, würden sich die Leute mehr Sorgen machen, denke ich.

2009 haben Sie für einen Halbmarathon trainiert und die Abspeck-Doku „Iron Calli“ gemacht. Was war dabei denn Ihre entscheidende Motivation?

Meine Intention war Abnehmen. Die TV Übertragungen sorgten für Druck, was mir ganz gut tat. Am Anfang bin ich dreieinhalb Kilometer stramm um einen Stausee gelaufen, nicht gejoggt. Meine Zunge war die sonstige rote Krawatte!(lacht) Aber mit der Zeit wurde es besser und besser und ich habe den Halbmarathon mit ein paar Blasen tatsächlich geschafft. Ich kann im Nachhinein nur jedem empfehlen, gemeinsam mit Freunden oder Arbeitskollegen eine solche Herausforderung anzunehmen. Es ist gesundund macht Spaß.

Hat sich dadurch die öffentliche Wahrnehmung geändert?

Mag sein. Sie müssen wissen, dass ich meine Blutwerte, meinen Blutdruck, Puls und Gewicht immer kontrollieren lasse. Ich stehe unter ärztlicher Beobachtung –und meine Werte sind gut. Ich mag nun mal keine trockenen Körner, geschmacklosen Joghurt oder Grünfutter. Doch wenn die Ärzte  Alarm machen und sagen, ‚Calli, wenn du nicht gesund lebst, gehörst du bald dem lieben Gott‘, dann muss ich sofort umdenken und handeln. Meine zugegeben etwas ketzerische Devise ist: ’Schenk dem Leben nicht mehr Jahre, sondern den Jahren mehr Leben’ giltdann nicht mehr. Ein schönes Leben mit Familie und Freunden ist wichtiger als genussvollesEssen.

Was bevorzugen Sie zu sein: Talkshow-Gast, Vortragsredner, Berater, Kolumnist oder Buchautor?

Der Fußball ist die Kernkompetenz und das Thema, um das sich alles dreht. Das Essen ist meine zweite Leidenschaft und wird bei „Grill den Henssler“ wunderbar abgedeckt. Aber grundsätzlich rede und schreibe ich über das, was mich in meinem Leben begleitet.

Woher rührt Ihr soziales Engagement, besonders für Kinder, Jugendliche und Behinderte?

Die Frage muss lauten: Warum macht das nicht jeder, der die Möglichkeit hat? Wer auf der Sonnenseite steht, muss denen helfen, die im Schatten sind. In erster Linie den Kindern, Schwachen und Alten. Denen, die sich am wenigsten gegen ihr Schicksal wehren können. Kinderlächeln ist für mich das größte und schönste Geschenk. Kinder, schwache und alte Menschen zu unterstützen, wenn ich es mir erlauben kann, ist kein großes Ding. Es sich erlauben zu können, aber nicht zu machen, ist eine große Sauerei.

Welche Initiativen sind Ihnen denn besondersnah?

Die Kinderhilfsorganisation Human HelpNetwork liegt mir besonders am Herzen. Hier bin ich Schirmherr der „Initiative für tapfere Kinder“. Waisen zu unterstützen oder die ‚Straße‘ aus den Straßenkindern Kindern in Thailand und Kambodscha rauszubekommen, ist ein lohnenswertes Ziel. Wichtig ist mir beispielsweise auch die Schulsportinitiative „Klasse in Sport“. Tests in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln haben gezeigt, dass Schulsport nicht nur etwas mit Gesundheit, sondern auch mit Klugheit zu tun hat. Toben macht schlau und hat befreiende Wirkung. Dieser Ansatz ist wissenschaftlich fundiert, wurde inzwischen von Medizinern und Pädagogen bestätigt.

Ab welchem Punkt wurde Reiner Calmundzur „Marke Calmund“?

Nach meinem Ausstieg 2004 als Manager von Bayer Leverkusen wollte ich eigentlich eine längere Pause machen. Doch dann kam RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger auf mich zu und bot mir „BigBoss“an. Ich wurde zum WM-Botschafter von Nordrhein-Westfalen, zum Marken-Botschafter des Fifa-Sponsors Fuji und erhielt mehr und mehr Werbeverträge. Meine Fernsehpräsenz in „Kocharena“ und „Grill den Henssler“ erhöhten den ohnehin vorhandenen Bekanntheitsgrad. Alles dies war überhaupt nicht geplant, sondern funktionierte wie eine Art Domino-Effekt. Ich sehe mich selbst eher nicht als Marke, sondern als Typ.

Als unverwechselbarer Typ?(Lacht)

Mich kann man nicht verwechseln, dafür sorgt mein Äußeres. Man sagt über mich, ich sei authentisch, direkt und manchmal provokant und hätte eine große Schnauze. Wenn ich jedoch nur dummes Zeug erzähle, dann ist es um die Akzeptanz schnell geschehen. Ich will nicht als Schlauberger dastehen oder gar den Weltverbesserer mimen. Die Inhalte müssen Qualität besitzen – und ohne Leidenschaft geht es sowieso nicht im Job wie im Privatleben.

Sie sind am 21. November noch 67. Würden Sie alles im Leben genauso machen, wenn Sie wählen könnten?

Wer nach so einem langen Leben behauptet, er habe privat und beruflich alles richtig gemacht, der lügt, hat Alzheimer oder nie richtig gelebt. Ich kann sagen: Trotz ein paar Tiefschlägen, die keiner verhindern kann, bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden. 

Rhein-Necker Zeitung vom 17.11.16



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