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Don Calli macht die Liga rund (21)
Don Calli macht die Liga rund (21)

"Ohne Moss nix los!" - Reiner Calmund schreibt im EXPRESS


Mensch, gestern hätt’ ich wirklich mal gerne bei Uli Hoeneß im Wohnzimmer auf der Couch gesessen. Der hat sich ganz genüsslich die Liga reingezogen und sich beim Anblick der Schalker und der Bremer vor Freude auf die Schenkel geklopft. Bremen verliert 0:1 in Frankfurt und Diego gehen die Nerven durch. Der Zauberer wird nach seiner dämlichen Tätlichkeit den Bremern im Meisterkampf für einige Wochen fehlen. Vom Brasilianer gab’s diesmal kein Samba-Tor, dafür ein Rambo-Eigentor! Und die Schalker Meisterträume sind nach der Pleite in Leverkusen schon endgültig geplatzt. Auch die Tätlichkeit von Jermaine Jones zeigt: Königsblau hat die Nerven verloren. Da hat Hoeneß bestimmt das ein oder andere Weißbier eingeschenkt und ein paar mehr seiner Rostbratwürstchen in die Pfanne gelegt. Schade, dass ich nicht dabei war. 

Aber die Jungs von Hoeneß müssen heute erstmal gewinnen. Beim Klassiker zwischen Bayern München und dem HSV sind rund 130 Sender weltweit live dabei. Ich verfolge den Bundesligaknüller selber als Kommentator aus einem Wiener TV-Studio. Die großen Fragezeichen: Laufen die Topstars Ribery und Van der Vaart auf? Setzen sich die Bayern ab, nutzen sie die Aussetzer von Bremen und Schalke? Oder kommt der HSV noch mal ganz vorne ran? Spannend wird es und auch ein bisschen wehmütig. Denn mit Otmar Hitzfeld und Huub Stevens treffen sich zwei alte Fahrensmänner zum letzten Mal. Der eine wird Schweizer Nationaltrainer, der andere geht zur PSV Eindhoven. Die Bundesliga wird beide vermissen. Sie sind übrigens die Trainer, die Deutschland die letzten Europacup-Triumphe bescherten: Stevens 1997 den UEFA-Cup mit Schalke, Hitzfeld 2001 die Champions League mit den Bayern. Hitzfeld holte München aus dem Tief des vergangenen Jahres wieder heraus, ebenso wie es der knurrige Holländer in der vergangenen Saison mit dem HSV schaffte. Zwei große Trainer. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, mir werden sie fehlen. 

Dafür rücken andere Trainer in den Fokus: Beispiel Michael Skibbe. Der macht mit Leverkusen derzeit alles richtig. Trotz nur 48-Stunden-Pause nach dem UEFA-Cup-Spiel jammert er nicht rum, stattdessen krempeln seine Jungs die Arme hoch und sind plötzlich sogar ein heimlicher Anwärter auf den Titel. Die können ohne Druck angreifen, weil keiner den ganz großen Coup erwartet. Vielleicht gelingt ihnen ja sowas wie Stuttgart im letzten Jahr. 

Und auch international läuft alles bestens. Die Bundesliga hat ein dickes Ausrufezeichen in Europa gesetzt! Vier von fünf Teams kamen am Super-Donnerstag im UEFA-Cup weiter, der Grand mit Vieren ist locker und souverän ausgespielt worden. Und es warten weitere Highlights im Achtelfinale: Die Bayern im ewig jungen Duell mit dem RSC Anderlecht. Werder Bremen gegen die Rangers aus Glasgow – das hat doch was von Champions League, oder? Auch wenn ich es schade finde, dass Bayer und der HSV so früh bereits gegeneinander spielen müssen, hat man durch diese Paarung doch immerhin die Gewissheit, dass ein deutsches Team im Viertelfinale steht. Siege, Siege, Siege sind wichtig für die deutschen Klubs, die in der UEFA-Wertung tüchtig aufholen und sich von den Verfolgern absetzen. Und ich bin sicher, da ist das Ende des Weges noch lange nicht erreicht. Die Bayern sowieso, aber auch die Bremer zählen für mich zu den Top-Mit-Favoriten auf das UEFA-Cup-Finale, beide werden auch im nächsten Jahr wieder eine achtbare Rolle in der Champions League spielen. Um das deutsche Fußball-Glück in Europa perfekt zu machen, braucht man aus der jetzt gerade ausgeschriebenen TV-Vermarktung mehr Geld. Die DFL muss mit ihren Vereinen auch eine schnelle Lösung in der 50+1-Anteilsregelung finden, die Investoren stehen bereits vor der Tür. In der Champions League heißt das Motto: „Ohne Moss nix los“.



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