
Don Calli macht seine Elf des Jahres rund - Reiner Calmund schreibt im Express
Gestern die glorreichen sieben Trainer, heute meine „Elf der Saison“. Fußball ist ein Mannschaftssport und jeder Einzelne, sei er noch so gut, kann nur brillieren, wenn es im Team stimmt. Hätte ich meine Spieler der Saison gekürt, so wären dies zwei Dortmunder geworden: Der kleine Shinji Kagawa in der Hinrunde, Mario Götze in der Rückrunde. Der eine ein japanischer Billig-Einkauf, der andere ein Eigengewächs – sie stehen für die kluge Politik, die Borussia Dortmund an die Spitze führte.
Der Bad Boy der Saison ist ohne wenn und aber Diego. Der Brasilianer hatte mit allen drei Wolfsburger Trainern Zoff. Steve McClaren sperrte ihn, Pierre Littbarski disziplinierte ihn und mit Felix Magath kam es am letzten Spieltag zum großen Knall. Wahnsinn! Wer sein Team im Abstiegsspiel im Stich lässt, weil er nicht aufgestellt wurde, hat im Mannschaftssport nichts verloren. Diego konnte beim VfL nicht an seine Bremer Form anknüpfen. Meckern, versteckte Fouls und unfaire Showeinlagen standen in erster Linie auf seinem Programm. Dass meine „Elf“ für Diskussionsstoff sorgen wird, ist klar und auch gewollt. Warum Neuer und nicht Rensing, der den FC rettete? Warum Podolski und nicht Cissé? Für Kontroversen ist also reichlich gesorgt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!
Manuel Neuer (FC Schalke 04)
Mit unfassbaren Paraden hatte Manuel Neuer Manchester United schier zur Verzweiflung gebracht. Wie viele andere Teams auch. Manuel ist der beste Keeper Deutschlands, womöglich der Welt. Jetzt macht er den nächsten Schritt, hin zu den Bayern. Ein logischer Schritt.
Arturo Vidal (Bayer 04 Leverkusen)
Natürlich gehört er eigentlich ins defensive Mittelfeld. Aber der kleine Chilene bewies in dieser Saison Teamgeist, Vielseitigkeit und enorme Präsenz – egal auf welcher Position. Er war ganz klar die prägende Figur beim Vize-meister Leverkusen. Kein Wunder, dass die Bayern um ihn buhlen.
Benedikt Höwedes (Schalke 04)
Benni ist einer, der auch an nicht so guten Tagen nie wirklich schlecht ist. Weil er immer alles gibt, Teamgeist vorlebt und sich reinhaut wie man das auf Schalke liebt. Was mich wundert ist lediglich, warum ihn der Bundestrainer noch nicht in den DFB-Kader geholt hat.
Mats Hummels (Borussia Dortmund)
Wer ihn sieht, kann nicht glauben, dass er noch so jung ist: Souverän, abgeklärt, ruhig – so agiert Mats Hummels. Ein Super-Talent, das darüber hinaus völlig klar in der Birne ist. Für mich der heimliche Chef im Dortmunder Ring. Er wird zu einem der weltbesten Innenverteidiger reifen.
Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund)
Bei seinen DFB-Auftritten hat er deutlich vor Augen geführt bekommen, dass in der Entwicklung noch Luft nach oben ist. Trotzdem gehört Marcel Schmelzer für mich zu den Gewinnern der Saison und ist der beste Linksverteidiger der Liga. Kraftvoll, gut im Zweikampf, ein Lauf- und Konditionswunder.
Marco Reus (Borussia Mönchengladbach)
Dass es Gladbacher gibt, die ihren Klub am liebsten in Bo“Reus“sia umtaufen würden, ist nur allzu verständlich. Der Wirbelwind ist der Schrecken aller Abwehrreihen. Und war für die Borussia die Lebensversicherung. Er ging immer voran. „Wir steigen nicht ab!“ Hoffentlich behält er Recht.
Nuri Sahin (Bourssia Dortmund)
Er verkörperte als Regisseur den BVB-Hochgeschwindigkeitsfußball wie kein Zweiter. Ein eleganter Sechser mit magischem Auge, einer, der im modernen Fußball die Schlüsselposition einnimmt: Als „Umschalter“ zwischen Defensive und Offensive. Ich hoffe, dass er sich bei Real durch.
Mario Götze (Borussia Dortmund)
Seine Dribblings, seine Schüsse, seine Pässe rissen mich trotz meiner knapp 150 Kilo vom Sitz. Was für ein Vollblutfußballer. Man darf nie vergessen: Mario ist erst 18, aber ein intelligenter Junge und er wird von einem der größten Talente zu einem der wichtigsten deutschen Spieler reifen.
André Schürrle (FC Mainz 05)
Erst 20 Jahre alt und schon 15 Tore in einer Sai- son – das haben noch nicht so viele Deutsche geschafft in der Liga-Geschichte. Schürrle ist ein Ausnahmetalent, Kompliment an Bayer, dass sie sich den Jungen angeln konnten. Was mir imponiert sind seine Viel- seitigkeit.
Mario Gomez (FC Bayern München)
Sich gegen einen Trainer durchzusetzen, der ihm sagt, er sei die Nummer vier unter den Stürmern und solle besser den Verein wechseln, das zeugt von Willenskraft und Qualität. Gomez ist an van Gaal nicht zerschellt. Nur 27 mal spielte er von Beginn an, dabei er- zielte er 28 Tore – eine tolle Bilanz.
Lukas Podolski (1. FC Köln)
Warum Poldi? Warum nicht Novakovic? Oder Ya Konan? Oder Cissé? Ganz einfach – weil Lukas mehr als nur ein Fußballer war. Er hielt die auseinander driftenden Flügel des Teams zusammen, Poldi sorgte als Kapitän für den Impuls zur FC Leistungsexplosion. Aber er steht auch für 13 Tore.

