
Don Calli stellt seine Favoriten vor (7.) - Reiner Calmund schreibt im Express
Am 7. Bundesliga-Spieltag geht die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt in ihre letzte Runde. Vernünftige und unvernünftige Boliden wurden vorgestellt, Sparmodelle und Protzkarren.
Fußball und Autos sind zwei der großen Lieblingsspielzeuge in unserem Land. Stellen Sie sich Ihren Bundesligaklub als Auto vor. Und den Chef als Fahrer. Fühlen Sie sich sicher bei ihm? Oder haben Sie Angst vor der nächsten Kurve?
In Hamburg haben sie das Steuer verrissen. Hier meine Kandidaten für das goldene Fußball-Lenkrad. Wobei ich schon sagen muss, dass Borussia Mönchengladbach mit Boss Königs einen irren Kurs genommen hat.
Callis Kandidaten für das Goldene Fußball-Lenkrad
Favre zeigte den Weg aus dem Keller
Beispiel Mönchengladbach: Das war eine Tour auf tausend Rasierklingen und mehr als einmal schien es, als würden die Reifen zerfetzt. Der Überschlag war nur noch eine Frage der Zeit.
Boss Rolf Königs und Sportchef Max Eberl drohten im Graben zu landen, wo Michael Frontzeck schon lag. Es folgte der rettende Boxenstopp, Chef-Techniker Lucien Favre wurde mitgenommen und führte die Borussia wieder auf sicheren Asphalt. Heute grüßt das Kellerkind von gestern in der Tabelle von oben, Königs, Bonhof, Eberl, Schippers und Co. sitzen fest im Sitz und dürfen sich für den Geniestreich mit Favre feiern lassen – zu Recht!
Seit 1999 mischt Rolf Königs bei der Borussia mit, zunächst als Vizepräsident, später als Boss. Als er anfing, saß der Traditionsverein auf rund 20 Millionen Euro Schulden und kickte in der Zweiten Liga. 2001 gelang der Aufstieg, und Königs sanierte mit seinem Team den Verein, Jahr für Jahr, Schritt für Schritt. Heute sind die „Fohlen“ wirtschaftlich gesund und spielen in einem modernen Stadion mit großen Vermarktungsmöglichkeiten, sowie einem erstklassigen Nachwuchs-Leistungszentrum.
Beim Abstieg 2007 gab es mächtig Ärger für Königs, der ja selbst ein Firmenimperium aus rund 90 Unternehmen sehr erfolgreich führt. In der letzten Seuchensaison hagelte es dann sogar Kritik von den Legenden Netzer, Vogts und Co. Stefan Effenberg, den ich als Fußball-Fachmann sehr schätze, wollte sogar ins Management. Königs muss man zugutehalten, dass er bei Erfolgen nie das Rampenlicht suchte, sich aber bei Krisen immer stellte und als Vereins-Boss die Prügel abholte. Ganz nach dem Motto: Wenn’s nicht läuft, muss der Chef in jedem Unternehmen die Rübe hinhalten.
Ich freue mich für ihn, dass es wieder stimmt und die Borussia eine Mannschaft mit Perspektive hat. Und Königs, der Eberl leicht als Bauernopfer hätte präsentieren können, hat bewiesen, dass er keiner für Schnellschüsse ist und schon gar keiner für Alleingänge: Weltmeister Rainer Bonhof kam schon 2009 ins Präsidium, jetzt folgte mit Hans Meyer einer, der nicht nur kompetent ist, sondern auch knorrig. Damit hat Königs den Kritikpunkt „zu wenig Fußball-Sachverstand im Vorstand“ klar entkräftet.
Keine Hektik mit Dieter Hecking
Beispiel Nürnberg: Der Club war sieben Mal Meister, doch zu einer Zeit als die Autos noch mit Holzvergaser fuhren. Trotz großer Abstiegssorgen behielten Club-Chef Martin Bader und sein Aufsichtsrat die Nerven. Man drehte gemeinsam mit Konstrukteur Dieter Hecking hier am Rädchen, tauschte da ein Verschleißteil aus und tunte gekonnt am Motor rum.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Von der Relegation direkt auf Platz sechs - nur zwei Mal war der „Club“ in der Bundesliga besser platziert. Weil die Jungs am Steuer im letzten Jahr die Nerven behielten, konnten personelle Verluste wie Breno, Ottl, Ekici, Schieber, Wolf, Gündogan, Bunjaku (verletzt) durch Top-Nachwuchs erfolgreich kompensiert werden.
Toll! Schmadtke hielt zu Slomka
Beispiel Hannover: Das tragische Schicksal des Robert Enke lähmte vor rund zwei Jahren einen ganzen Verein.
Auch Trainer Mirko Slomka, der seinen glücklosen Vorgänger Andreas Bergmann beerbte, drohte zu scheitern. Der Wagen rollte in die falsche Richtung. Doch hier rentierte sich die Besonnenheit der Macher: Martin Kind, der allgewaltige 96-Boss, weigerte sich, den Gesetzen der Branche zu folgen, und auch Sportdirektor Jörg Schmadtke hielt zu Slomka, obwohl beide nicht immer auf einer Linie lagen.
Doch die gemeinsamen Fahrten durch ganz schweres Gelände schweißten zusammen. Hannover hielt die Klasse und gondelt durch erstklassige Arbeit der Führungscrew mittlerweile durch Europa.
Dauerbrenner Thomas Schaaf
Beispiel Bremen: Bayern München vor Werder - das war jahrelang Standard in der Tabelle. Dass es derzeit wieder so ist, überrascht selbst mich alten Sack. Das grün-weiße Gefährt raste letzte Saison ungebremst Richtung Tal. Links und rechts drohten Klaus Allofs und Thomas Schaaf rauszufliegen.
Doch das Traumpaar der Liga, seit gefühlten 100 Jahren, meisterte alle Hindernisse und Gefahren in halsbrecherischer Manier. Obwohl es nach den Abgängen der Nationalspieler Özil und Mertesacker keine Topstars als Zugänge gab, hat sich das Bremer Team wieder stabilisiert. Glückwunsch, Allofs und Schaaf stehen nach der Berg-und-Tal-Fahrt wie Vettel und Schumi in einem da, als erfolgreiche Bundesliga- und Dauerbrenner.

