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Großer Trainer-Gipfel
Großer Trainer-Gipfel

Calli macht das Derby rund - das Doppel-Interview im EXPRESS mit Christoph Daum und Hans Meyer:


Köln – Das 74. rheinische Derby steigt Samstag. Immer im Blickpunkt: die Trainer! Ob Weisweiler, Heynckes oder Lattek. Heute sind es Christoph Daum und Hans Meyer. Statt meiner Kolumne lasse ich jetzt die beiden Derby-Zampanos zu Wort kommen. 


Vor dem Derby hat Köln zehn Punkte Vorsprung auf Gladbach. Warum entwickeln sich die Klubs nach dem Aufstieg so konträr? 

Hans Meyer: Es war ein Glück für den 1. FC Köln, dass Christoph Daum anderthalb Jahre für den Aufstieg gebraucht hat. So konnte er die Stützen Mondragon oder Mohamad einbauen, und Novakovic nach einigem hin und her auf Kurs bringen. 

Mit Geromel und Petit sind ihm punktuell Verstärkungen gelungen. Diese fünf sind die Stützpfeiler der Mannschaft. Für die Borussia wäre es vielleicht besser gewesen, wenn sie ein Jahr später, aber dann mit einer gefestigen Mannschaft aufgestiegen wären. 

Christoph Daum: Diese Entwicklung konnte keiner vorhersehen. Wenn einer vor Saisonbeginn erklärt hätte, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt 10 Punkte mehr als Gladbach hätten, wäre er in eine Anstalt eingeliefert worden. 

Unser Vorteil war, dass wir schneller zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung gefunden haben. Nachdem Hans Meyer das Ruder übernommen hat, bin ich überzeugt, dass Gladbach den Klassenerhalt schafft. Er hat für klare Strukturen gesorgt, seine Wintereinkäufe sind absolute Verstärkungen.

Was schätzt Ihr am jeweils anderen? 

Meyer: Christoph hat ohne großen Geldsack im Hintergrund mit seiner riesengroßen Erfahrung eine taktisch gefestigte Mannschaft auf die Beine gestellt. 

Daum: Hans Meyer ist einer der erfahrensten Trainer. Seine außergewöhnlichen Erfolge basieren auf taktischer Raffinesse, Disziplin und überraschenden Entscheidungen. Außerdem liebe ich die Sprüche aus dem meyerschen Lexikon.

Wen würden ihr gerne aus der Mannschaft des anderen haben? 

Meyer: Geromel und Petit hätte ich sehr gerne in Gladbach. 

Daum: Marko Marin würde mir schon reichen…

Christoph, Du warst mit Stuttgart, Wien und Istanbul Meister. Hans, Du kamst mit Jena ins Europapokalfinale und warst viermal Pokalsieger. Ihr seid reich dekoriert. Können Gladbach und Köln auch noch mal an große Zeiten anknüpfen? 

Meyer: Köln ist weiter als wir. Beide Klubs werden in absehbarer Zeit nicht so schnell die etablierten acht großen Klubs einholen. 

Daum: Es ist eine Riesenherausforderung, an diese vergangenen Erfolge anzuknüpfen. Träumen dürfen unsere Fans. Wir wissen, was für ein beschwerlicher Weg vor uns liegt.

Hoffenheim und Wolfsburg stehen oben. Haben Traditionsvereine es schwieriger als diese Emporkömmlinge? 

Meyer: Geld schießt keine Tore. Doch die Kombination mit erstklassigen Trainern (Rangnick, Magath) und hohem Investitionsvolumen ist vorteilhaft. Sie sind unter einer besonderen Glocke, der Druck und die Erwartungshaltung ist bei uns um ein Vielfaches höher. 

Daum: Tradition ist schön und gut, aber garantiert dir keine Erfolge. Sie darf kein Ruhekissen sein. Man muss sie als Sprungbrett benutzen. Aber es ist ja auch etwas besonderes, in so einem Klub mit so einer Begeisterung im Hintergrund zu arbeiten.

Christoph, du willst mit 60 aufhören, Hans ist mit 66 noch im Geschäft. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um in Rente zu gehen? 

Meyer (schmunzelt): Wenn die Wirtschaftskrise anhält, muss er noch bisschen arbeiten. Im Ernst: Ich bin überzeugt, dass uns Christoph noch einige Jahre erhalten bleibt. 

Daum: Hans Meyer beweist, dass man im hohen Alter als Trainer Spitzenleistung bringen kann. Ich sehe jeden älteren Menschen als lebende Bibliothek an. Nach meinem 60. Geburtstag will ich in andere Funktionen im Profifußball wertvolle Hilfe leisten.

Ihr seid seit Jahrzehnten im Geschäft. Was hat sich im Fußball verändert? 

Meyer: Der Fußball ist simpel und einfach – und deshalb so attraktiv. Verändert hat sich der Stellenwert in Medien und Gesellschaft. Fußballfremde Leute haben heute großen Einfluss auf die Spieler und dessen Form. 

Daum: Bei den Spielern hat sich die Athletik und die Handlungsschnelligkeit verbessert. Computergesteuerte Spielanalysen und High-Tech-Medizin sind nicht mehr wegzudenken. Letztendlich ist aber alles ohne Leidenschaft nichts wert.

Ihr seid auch älter geworden – wie geht man heute mit Talenten um? 

Meyer: Die Führung einer Profimannschaft ist ein pädagogischer Prozess. Wir müssen mit ihnen arbeiten und sie verbessern. Dafür müssen die Spieler aber auch coachbar sein und bleiben. 

Daum: Ich halte es mit Franz Beckenbauer: Ein Drittel Talent, zwei Drittel knallharte Arbeit in allen Bereichen. Und wenn sie bereit sind, musst du ihnen die Chance geben.

Hans Meyers Lebensgefährtin ist Dramaturgin, Christoph Daum hat ebenfalls eine Künsterlin zur Frau. Ist das Zufall? 

Meyer: Ja, Zufall. Ich finde es aber eine gute Schicksalsfügung, wenn man eine Partnerin hat, die aus einem ganz anderen Metier kommt. 

Daum: Meine Frau leidet bei den Spielen mehr als ich. Wenn der FC verliert, spielt Angelika nicht auf dem Klavier und singt mir auch kein Lied vor…

Was erwarten Sie morgen von den Fans? 

Meyer: Das fantastische Derby, das Salz in der Suppe. Die extremen Problemkinder sollen und dürfen diese Spiele aber nicht zum Anlass nehmen, um die gesunde Rivalität zu missbrauchen. 

Daum: Die überwiegende Fan-Mehrheit beider Klubs will ein großes Fußball-Fest erleben. Und die, die andere Absichten verfolgen, sollen zu Hause bleiben.



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