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"Tag der Deutschen Einheit" am 3. Oktober in Mainz
"Tag der Deutschen Einheit" am 3. Oktober in Mainz

Reiner Calmund im Gespräch auf der Bühne der Bundesregierung mit ZDF-Moderator Sven Voss


Herzlich willkommen, Herr Calmund! Ein waschechter Rheinländer zu Gast in der rheinland-pfälzischen Stadt Mainz. Wie gut kennen Sie sich hier in Mainz aus, Herr Calmund?

Ganz gut, ich war sehr oft beim ZDF im "Aktuellen Sport Studio" und auch einige Male im Fernsehgarten. Auch das Mainzer Unterhaus, die  Geburtsstätte vieler unserer besten  Kabarettisten, kenne ich ganz gut. Ich bin dort schon aufgetreten und habe auch als Besucher viel Spaß gehabt. Natürlich war ich früher häufig im altehrwürdigen Stadion am Bruchweg und jetzt gelegentlich in der neuen und hochmodernen Opel Arena zu Gast bei Mainz 05. Für mich persönlich aber gibt es einen besonderen Bezug zu Mainz: Ich bin Schirmherr der weltweit agierenden Mainzer Kinderhilfsorganisation „Human Help Network“ mit der Stiftung „Tapfere Kinder“.

Es ist ja bekannt, dass Sie gern und gut essen. Für Ihre Leistungen rund um den Kochgenuss wurden Sie zum Beispiel 2007 mit der „Goldene Schlemmerente“ und 2006 zum "Genießer des Jahres" in Berlin ausgezeichnet. Wie stehen Sie zur rheinlandpfälzischen Küche?

Mein Highlight ist der Pfälzer Saumagen, das war ja auch die Leibspeise von Helmut Kohl, dem Kanzler der Deutschen Einheit. Beim Schwenkbraten und Zwiebelkuchen sage ich auch nicht nein.

Neben dem Essen zählt natürlich der Fußball nach wie vor zu Ihrer großen Leidenschaft. Nach Ihrem Rücktritt als Geschäftsführer bei Bayer 04 Leverkusen im Jahr 2004 sind Sie heute immer noch als Experte in vielen Fußball-Formaten gefragt. Was fasziniert Sie heute nach wie vor am Fußball?

Ich bin mit dem runden Leder groß geworden und war als kleiner Knirps von Fußball genauso begeistert wie später als Jugendtrainer, Manager oder jetzt aktuell als Fußballexperte. Fußball ist in Deutschland Volkssport Nummer eins und ich gehöre zu den 40 bis 50 Millionen Menschen, die sich in unserem Land für die Bundesliga und unsere Nationalmannschaft interessieren. Lieber Sven, bei der ZDF-Übertragung des WM-Halbfinales Deutschland gegen Brasilien saßen rund 33 Millionen Zuschauer vor der Flimmerkiste, der Markanteil lag bei knapp 90 Prozent. Da hattet Ihr beim ZDF neben dem Sieg unserer Nationalmannschaft auch wegen der Quote allen Grund zu jubeln.

Sie haben sich damals bei Bayer 04 Leverkusen vom „Mädchen für alles“ bis zum Geschäftsführer hochgearbeitet. Wie haben Sie das geschafft und glauben Sie, dass eine Karriere in der Form heutzutage überhaupt noch möglich wäre?

Der Fußball war zu meiner Anfangszeit sportlich und wirtschaftlich im Verein und Verband bei weitem nicht auf dem hohen Niveau von heute. Organisation, Infrastruktur, Personalstand, Umsatz – es ist nicht mehr vergleichbar. Und deshalb ist solch eine Karriere heute kaum noch möglich.

Wir haben als positive Bekloppte malocht, ohne auf die Uhr zu schauen und waren uns auch für Drecksarbeit nicht zu schade. Wer das heute noch beherzigt und den nötigen Sachverstand mitbringt, der kann sich allerdings auch ohne Profivergangenheit einen Namen in der Liga machen. Für eine gute Karriere brauchst Du natürlich immer das Glück, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein. Das gilt für die persönliche, aber auch für die gesamte Entwicklung des Fußballs. Dabei sind Kompetenz und Leidenschaft die Formel zum Erfolg.

KOMPETENZ steht für Bildung, Ausbildung, Know-how, Erfahrung Kreativität, Innovation, Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit.

LEIDENSCHAFT bedeutet: Teamgeist, Identifikation, Begeisterung, Siegeswillen, Motivation, Einsatzbereitschaft.

Sie haben ja eigentlich Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt und danach Betriebswirtschaft studiert. War das später für Ihren Manager-Job bei Leverkusen von Vorteil?

Ohne Wenn und Aber, ein ganz klares ja.

Ich hatte auf dem Weg dorthin zweimal Glück im Unglück. Trotz meiner großen Klappe war Mathematik mein bestes Fach. Auf Wunsch meiner Mutter sollte ich Elektro-Ingenieur auf einem der 300 Meter großen Schaufelbagger im offenen Kohle-Abbau von RWE werden. Mein Pech: Schon bei der Prüfung zum Elektriker bin ich wegen Farben-Blindheit gescheitert. Ich konnte die unterschiedlichen Farbpunkte nicht auseinanderhalten.

Als 18 jährige Fußballer war ich stolz, bei Frechen 20 in der Oberliga mein Debüt machen zu dürfen. Ein Knochenabriss im Sprunggelenk, der damals nicht reparabel war, beendete meine junge Laufbahn.

FAZIT: Zweimal Glück im Unglück, als Spieler hätte ich es nie in die Bundesliga geschafft, als Manager konnte ich dort gute Arbeit machen.

Die Ausbildung zum Außenhandelskaufmann, mein BWL Studium, Trainerschein, DFB-Orga Lizenz und meine Tätigkeit als Sport-Journalist bildeten u.a. die Basis für meine erfolgreiche berufliche Laufbahn.

Apropos Manager in der Bundesliga: Hat sich der Beruf des Managers im Vergleich zu Ihrer Zeit sehr stark verändert?

Zur meiner aktuellen Managerzeit tanzten die Kollegen Uli Hoeneß, Rudi Assauer, Michael Meier, Rolli Rüßmann, Willi Lemke und auch ich neben ein paar anderen auf allen Hochzeiten in der Öffentlichkeit. Das war fast immer eine One-Man-Show. Die Veränderungen im Profifußball verlangten nach Veränderungen in der Chefetage. In meinen letzten Berufsjahren hatte ich schon erstklassige junge Assistenten wie Andreas Rettig, Ilja Kaenzig oder Michael Reschke an meiner Seite, die fachlich in ihrem Bereich oft besser waren als ich.

In den letzten 15-20 Jahren erhöhten sich die Budgets und damit auch die Mitarbeiter-Anzahl in den Klubs erheblich. Heute gibt es unterhalb der Geschäftsführung meist einen Sportdirektor, dann den Cheftrainer mit seinen Assistenten, den Teammanager, Leiter Scouting, Leiter Nachwuchs, Leiter Medizin usw. 

Die Bereiche Finanzen, Personal/Verwaltung, Marketing, Medien, Stadion- und Spielorganisation, Fan-Betreuung, Rechts-Abteilung werden aufgrund der häufig dreistelligen Millionen-Umsätze in den Klubs mit zusätzlichen Fachkräften bzw. Abteilungsleitern oder Direktoren besetzt. 

Neben Ihrem beruflichen Engagement engagieren sie sich gleicher Maßen auch für soziale Projekte. Stimmt es zum Beispiel, dass Sie seit Jahren bereits ein Waisenhaus in Asien regelmäßig besuchen, dafür Spenden sammeln, im Fernsehen an Gewinnspielen zugunsten dieser Einrichtung teilnehmen und sogar Weihnachten mit Ihrer Frau dort mit fast 250 Waisen feiern?

Mein Motto heißt: Wer auf der Sonnenseite des Lebens steht, sollte vor allem Kindern und älteren Menschen, die auf der Schattenseite stehen, unterstützen. Wer das nicht kapiert, der muss zum Arzt gehen.

Ich helfe gerne Menschen in Not, wobei ich vorwiegend für das weltweit agierende Mainzer Kinderhilfswerk Human Help Network als Schirmherr mit den Paten Britta Heidemann und Joey Kelly für die Stiftung Tapfere Kinder im Einsatz bin. Neben vielen deutschen Projekten bin ich dort auch speziell für Thailand tätig.

Ich werde Weihnachten mit meiner Familie und Freunden in einem thailändischen Waisenhaus und Straßenkinderheim feiern. Das bedeutet Freude und Emotionen pur, dabei werden auch immer ein paar Tränchen verdrückt. Die Kinder wollen nicht nur Geschenke, sondern in erster Linie Wärme und Zuneigung.

Nun feiern wir heute den Tag der Deutschen Einheit. Wenn Sie nun einmal zurückblicken, welche Auswirkungen hatte der Fall der Mauer auf Ihre Manager-Tätigkeit?

Im  Vordergrund stehen sicherlich unsere schnellen Transfers von ehemaligen DDR-Nationalspielern, die sowohl gelobt als auch kritisiert wurden. Den ersten offiziellen Transfer von Ost nach West konnten wir bei Bayer 04 Leverkusen bereits einen Monat nach dem Mauerfall vermelden. Andreas Thom wechselte als DDR-Fußballer des Jahres im Dezember 1989 von Dynamo Berlin nach Bayer Leverkusen. Kurz danach konnten wir unseren späteren „Torjäger des Jahrzehnts“ Ulf Kirsten von Dynamo Dresden verpflichten. Bei Matthias Sammer, der bei uns schon einen Vertrag unterschrieben hatte, machte uns der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl einen Strich durch die Rechnung. Kohl intervenierte beim Vorstand der Bayer AG mit der Begründung, dass dieser weitere Transfer dem Weltkonzern ein schlechtes Image bringen würde. Der Bayer-Vorstand gab uns daraufhin die Anweisung den Sammer-Transfer nicht zu realisieren. 

Es war für uns eine bittere Entscheidung, mit dem späteren „Fußballer des Jahres von Europa“ hätten wir ein paar Titel mehr einfahren können. Ich konnte Helmut Kohl und meine Chefs jedoch verstehen.

Calli, wie sieht aktuell der Ost-West Vergleich im bezahlten Fußball aus?

Um objektiv zu antworten, muss man zunächst mal bei dem Ost-West-Vergleich die aktuellen Einwohnerzahlen gegenüber stellen: im Westen rund 65 Mio. und im Osten rund 16 Mio.

Beim Ost-West-Fußballvergleich nehmen wir mal als Basis die DFB-Mitgliederstatistiken 2017. Von den aktuell 7 Millionen DFB-Mitgliedern gehören 650 Tausend Mitglieder, inklusive Berlin, dem Nord-Ost-Verband an, das sind bescheidene 9,3 %, bei den Mannschaften beträgt der Ostanteil jedoch 13-14 %. Berücksichtigt man die 12 Ost-Klubs in unseren 3 Profi-Klassen mit insgesamt 56 Vereinen, dann ist der Osten mit 21,4 % sehr gut vertreten: RB Leipzig und Hertha BSC spielen in der Bundesliga, Union Berlin, Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden in der 2.Liga sowie Magdeburg, Rostock, Zwickau, Chemnitz, Halle, Jena und Erfurt in der 3. Liga. Eine ordentliche Präsenz, wie ich finde.

Wie und wo haben Sie den Fall der Mauer damals persönlich erlebt, Herr Calmund?

Am Donnerstagabend, den 9. November 1989, habe ich zunächst völlig ungläubig die Nachricht vom Mauerfall aufgenommen. Bis in den frühen Freitagmorgen habe ich dann die TV-Bilder und Nachrichten verfolgt und regelrecht aufgesogen. Ich bin dann direkt am Wochenende für drei Tage nach Berlin geflogen, ich wollte die Situation, die Gefühle der vielen Ostdeutschen live einatmen. Ich habe viele junge Leute getroffen, die mich erkannten und ansprachen. Im Inter-Conti Hotel habe ich dann direkt mehrere Zimmer mit mehrfacher Besetzung gebucht und die Jungs und Mädchen eingeladen. Die emotionalen Gespräche beim Abendessen und Frühstück werde ich genauso nie vergessen wie die Straßen, schwarz voller Menschen. Natürlich war ich auch samstags beim Spiel zwischen Hertha und Wattenscheid. Erst ab Montag habe ich mich dann intensiv mit dem DDR Fußballmarkt beschäftigt. 

Wie haben Sie heute 27 Jahre Wiedervereinigung gefeiert, Herr Calmund?

Mit meiner Frau Sylvia und Tochter Nicha feiern wir den Tag der Deutschen Einheit in Mainz. Wir waren heute Morgen am Rhein etwas frische Luft tanken, anschließend haben wir mit Andreas Thom die Veranstaltung des ZDF Fernsehgarten besucht und jetzt zum Abschluss bin ich hier auf der Bühne der Bundesregierung, was mich sehr stolz macht.

Unserem kleinen Kreis konnte ich einiges erzählen. Ich habe den Mauerbau am 13. August 1961 als 12-Jähriger Junge mit meinen Eltern beim Urlaub in Österreich erlebt. Uns hat das damals schlaflose Nächte gekostet, meine Mutter wurde in Thüringen geboren und wir zwei haben vor dem Mauerbau oft unsere Sommerferien in der DDR rustikal in Thüringen bei der Ernte mit Plumpsklo, Wasser-Brunnen etc. verlebt. Danach folgten 28 Jahre Mauer, kalter Krieg mit oft schweren Zeiten. Im November liegt der Mauerfall nun auch schon 28 Jahre zurück. Seltsam ist, dass mir die 28 Jahre, in denen die Mauer Deutschland trennte viel länger vorkommen als die 28 Jahre seit ihrem Fall. Einfach Wahnsinn, aber schön, dass wir den Tag der Deutschen Einheit erleben und feiern können.

Abschließend noch eine Frage: Wie sehen Ihre künftigen Pläne aus, Herr Calmund? Welchen Projekten möchten Sie sich in nächster Zeit widmen?

Ich werde trotz vieler Anfragen keine weiteren Projekte mehr annehmen und durchführen. Durch meinen Job und die vielen ehrenamtliche sozialen Tätigkeiten musste ich meine Familie oft vernachlässigen. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich mit meiner Frau Sylvia und unserer Tochter Nicha ein sehr glückliches Familienleben führen kann. Genauso bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung meiner fünf älteren Kinder und den vier Enkelkindern. Das gilt nicht nur für die Tochter, die Regional-Direktorin einer großen Krankenkasse ist oder für einen Sohn, der Sozial- Pädagogik studiert hat. Besonders stolz bin ich auf einen Enkel, der sich als Krankenpfleger um ältere und kranke Menschen kümmern will.

 

 



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