
Don Calli macht die Liga rund (28) - Reiner Calmund schreibt im Express
Schau ich beim Anflug auf den Köln/Bonner Flughafen aus dem Fenster, sehe ich oft genug das Siebengebirge. Irgendwie passend zum 1. FC Köln, der noch sieben Spiele bis zur Rettung durchstehen muss. In fünf davon geht's gegen die Teams, die aktuell hinter den Kölnern im Keller stehen - das sind fünf Sechs-Punkte-Spiele.
Für die, die nicht so gut rechnen können, ein Beispiel: Samstag in Hannover könntest du mit einem Unentschieden leben, weil es dann bei fünf Punkten Vorsprung auf 96 bleibt. Gewinnst du, hast du acht Punkte, darfst aufatmen. Setzt es aber eine Pleite, sind es nur noch zwei - dann brennt der Baum!
Eins vorab: Ich gönne dem Klub mit Wolfgang Overath, Michael Meier und seinen tollen Fans - mit Ausnahme dieser Handvoll Idioten, die in keinem Stadion etwas zu suchen haben - den Klassenerhalt. Und die Mannschaft hat absolut das Potenzial dazu.
Aber nur, wenn sie jetzt alles abruft: Es ist totale Identifikation gefordert: mit deinem Job als Berufsfußballer, mit deiner Mannschaft, deinem Klub und deinen Fans. Die Spiele bei Bayer und gegen Bayern müssen der Maßstab sein. Da hat das Team mit Herzblut, Leidenschaft und taktischer Disziplin gepunktet. Aber diese Punkte kannst du in die Tonne kloppen, wenn du nicht gegen die direkte Konkurrenz bestehst. Wenn du wie in Mainz gegen eine Mannschaft in Unterzahl kontrollierten Käse spielst, kriegst du beim Blick auf die Tabelle Panik und Kreislaufstörungen.
Deshalb muss Coach Zvonimir Soldo jetzt den Wecker klingeln lassen, damit einige Traumtänzer wach werden! Mir fehlen etwas Selbstkritik und Respekt. Zum Beispiel bei Maniche, der, nachdem er mal ein schönes Tor geschossen hat, zum Rundumschlag gegen das gesamte Umfeld ausholt und dabei auch noch einer Trainer-Legende wie Udo Lattek unterstellt, keine Ahnung zu haben. Da kann ich nur sagen: Junge, du spielst nicht nur schlecht, du tickst offenbar auch im Kopf nicht ganz richtig.
Aber ich bin überzeugt, dass der FC die Rettung schafft, wenn er alles abruft. In Hannover reicht es für einen Punkt, und in den verbleibenden drei Heimspielen gibt es jetzt endlich Siege, das wären zehn Punkte. Der Vorteil der Kölner ist, dass Gegner wie Hertha oder Freiburg auch auswärts nach vorne spielen müssen, weil ihnen nur noch Siege helfen. Die Mannschaft hat das Potenzial für die Rettung und wird es schaffen – alles andere wäre eine Katastrophe.

