
CALLIS LIGA-CHECK KOLUMNIST REINER CALMUND ANALYSIERT DEN 18. SPIELTAG
Bestimmt hundertmal haben wir es schon gehört: Immer wenn Trainer sagten: "Wir wollen aus einer gesicherten Defensive Konter fahren", wussten wir: Das kann zäh werden. Gladbachs Coach Lucien Favre hat das am Freitag auch gesagt. Trotzdem klang es ganz anders, realistisch, selbstbewusst, überzeugt vom eigenen Team, bei allem Respekt vor dem Favoriten Bayern München.
Ich vergleiche Favre mit einem Komponisten: Er dirigiert tolle Solisten und stellt sie zu einem harmonischen Orchester zusammen. Auf den Fußball übertragen, heißt das: Er hat individuell und mannschaftstaktisch einen Plan. Beim 3:1 konnten die Bayern dem nichts entgegensetzen. Gegen die schnellen Gladbacher wirkte der Rekordmeister irritiert, statisch, inkonsequent und fand auch nie zu seinem Rhythmus. Klar ist: Trotz Reus, Hermann, ter Stegen und Co. - ohne Favre wäre das Gladbacher Märchen nicht möglich.Auch war es richtig, den Wechsel von Marco Reus so früh bekannt zu machen. Wir haben es vor zehn Jahren in Leverkusen mit Michael Ballack ebenso gemacht, als er zu Bayern wechselte. Die Aussage von Favre war eindeutig: "Ich war schockiert, trotzdem habe ich es akzeptiert. Marco ist nicht nur ein großartiger Spieler, er hat auch einen feinen Charakter und sich fair verhalten."Mit solchen Statements beruhigt man alle Gemüter und davon profitieren Spieler, Verein, Mannschaft und Fans. Ballack spielte damals eine große Rückrunde - wurde Fußballer des Jahres und ich bin sicher, auch Reus wird nicht schwächer.Der Rest des Spieltags - eher unauffällig. Positiv fällt der souveräne Schalke-Sieg gegen Stuttgart heraus. Allerdings sorgte Hertha für Misstöne. Mit der Schlappe in Nürnberg misslang die Premiere von Neu-Coach Michael Skibbe gründlich.
22. Januar 2012 04.40 Uhr, bz-berlin.de
