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New York, New York
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WM-Botschafter trifft Ministerpraesident Ruettgers und Franz Beckenbauer


Neuer Beitrag in Calli's Corner:

Ich hatte in meinem Berufsleben das Glück - der Job als Manager eines Bundesligaklubs brachte dies mit sich - fast jeden Winkel dieser Erde kennenzulernen. Dies geschah mal oberflächlich, mal intensiver. Intensiver immer dann, wenn es in die USA ging. Beruflich beispielsweise bei den Verpflichtungen von Claudio Reyna (heute Kapitän der US-Auswahl) oder Landon Donovan (zuletzt drei Mal Fußballer des Jahres in den USA), privat meine Urlaube in Kalifornien oder Florida. Sie bedeuten mir Lebensqualität pur. Will ich aber richtig tief eintauchen in den "American way of life", dann muss es der "Big Apple" sein, dann heißt mein Ziel New York.
Ich war so oft dort, dass ich heute den Taxifahrern in ihren riesigen Yellow Cabs den richtigen Weg vom Flughafen nach Manhattan diktieren kann. Ende Februar war es wieder einmal so weit. Und es war eine ganz besondere Veranstaltung, an der ich teilnehmen durfte.

In der "New York Gotham Hall", direkt am Broadway, nur wenige Schritte von Empire State Building und Times Square entfernt, empfing Franz Beckenbauer seine amerikanischen Freunde auf der mittlerweile 29. Station seiner "Welcome-Tour" durch alle 31 für die WM 2006 qualifizierten Nationen. Rund 300 Gäste folgten seiner Einladung, an ihrer Spitze US-Soccer-Präsident Robert Contiguglia, dessen Vize Sunil Gulati sowie Chuck Blazer, Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, der im vergangenen Jahr verantwortlich für den Confed-Cup in Deutschland war. Ein Wiedersehen mit "The Kaiser" feierten außerdem Ahmad Ertegun, ehemaliger Boss der "New York Cosmos" und Clive Toye, der Mann, der Franz Beckenbauer 1977 nach New York lockte. Gerne erzählte Beckenbauer von Clive Toyes Trick, mit dem er ihn zu diesem Wechsel ins Ungewisse überzeugte: "Er lud mich während den Verhandlungen zu einem Hubschrauberrundflug über die Stadt ein. Nach der Landung sagte ich meinem damaligen Manager Robert Schwan nur: 'Mach alles klar, Robert. Hier bleibe ich' Und es wurde die schönste Zeit meines Lebens. New York ist mein zweites Zuhause." Drei Meistertitel (unter anderem mit Pelé, Carlos Alberto und dem legendären Trainer Hennes Weisweiler) errang Franz mit Cosmos. Ungleich mehr Freunde gewann er in dieser pulsierenden Metropole, wo auch für Ihn Freiheit ganz groß geschrieben wurde. Und auch an diesem Abend zeigte er sich gut informiert über die Entwicklung des "soccer" in den USA, der er fußballerisch einen Qualitätssprung attestierte: "Schon 2002 hatte die deutsche Elf im Viertelfinale viel Glück beim 1:0-Sieg."

Wichtiger als Ergebnisse allerdings war auch in New York die Präsentation Deutschlands als Gastgeber. Mit Charme und Witz begeisterten Franz und sein OK-Vize Wolfgang Niersbach die Gäste über den Stand der Vorbereitungen. Dem amerikanischen Verband und vor allen Dingen den rund 7000 Fans, die ihre "soccer-boys" nach Deutschland begleiten wollen, versprach er: "Herzlichkeit und Gastfreundschaft werden im Mittelpunkt stehen. Ihr werdet in Deutschland nicht nur eine gut organisierte WM erleben, sondern zu Gast bei Freunden sein."

New York war bereits Franz Beckenbauers achte Amerika-Station in elf Tagen (nach Ecuador, Paraguay, Argentinien, Brasilien, Trinidad/Tobago, Costa Rica und Mexiko) und wieder einmal konnte ich nur bewundern, wie stress-resistent er zu sein scheint. Keine Spur von Anstrengung, einfach locker, freundlich und verbindlich zu allen Gästen. Mal lausbübisch, mal staatmännisch repräsentierte er Deutschland auch an diesem Abend hervorragend. 

Überschwänglich lobte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, ebenso in New York zu Gast wie sein Kabinettskollege Michael Breuer (NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten), den OK-Chef: "Einen besseren Diplomaten als ihn kann sich keine Regierung wünschen." Dies waren auch meine Gedanken während der Veranstaltung in der Gotham Hall. Die Promotion, die Franz Beckenbauer für Deutschland macht, ist einfach gigantisch. Und wieder kam bei mir der Ärger hoch über all die, die diese WM als Plattform nutzen, um an die Öffentlichkeit zu gelangen. Ob Ticket-Verbraucherschutz, ob Stadion-Tests oder die Vogelgrippe - warum gehen die, die sich Sorgen machen, nicht direkt auf das WM-Organisationskomitee zu? Warum suchen sie immer den Weg in die Öffentlichkeit? Beim Kaiser und seinen Leuten wären sie in allerbesten Händen. Denen liegt ein Gelingen der WM am ehesten am Herzen. Sie würden alles tun, damit Probleme erst gar nicht entstehen. Aber vielleicht liegt denjenigen gar nichts an der WM, vermutlich wollen sie sich im hellen Scheinwerferlicht der WM auf Kosten anderer medienwirksam positionieren und profilieren. Für die kann es nur die Rote Karte geben!

Ein paar Tage New York - wieder einmal beeindruckte mich diese Stadt tief. Natürlich stand ein Besuch am Ground Zero auf meinem Programm. Ein bisschen Angst hatte ich vor dieser Begegnung. Nicht wegen der Sicherheit, einfach vor dem Wiedersehen. Ich sah im Geiste die großen Türme und das dazwischen gelegene WTC-Marriott Hotel, "mein" Hotel in New York. Erinnerungen und Emotionen an alte Zeiten wurden wach. Mein letzter Weg führte mich in die St-Pauls-Kathedrale. Viele Fotos und Schreiben von Kindern, die ihre Eltern beim mörderischen Anschlag am 11. September 2001 verloren oder sich für den heldenhaften Einsatz der Hilfskräfte bedankten, lagen dort aus. Ich verhehle nicht, dass ich bei diesem Besuch und beim Lesen dieser Briefe ein paar Tränchen verdrückt habe. New York hat sich, das ist sicher, nach diesem Trip noch tiefer in mein Herz eingegraben.



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