Kolumne

"Meine Glorreichen siegen"
"Meine Glorreichen siegen"

Reiner Calmund über seine Top-Sieben der Bundesliga-Trainer der Saison - Kolumne im Express


Als wir jung waren, gab es für uns zwei Freizeitbeschäftigungen: Wir spielten Fußball oder wir liefen ins Kino. Western waren groß in Mode damals und ich kannte je- den: John Wayne, Cary Grant, Yul Brynner, Charles Bronson, Steve McQueen, James Coburn und wie sie alle hießen.

Die „Glorreichen Sieben“ war einer meiner Lieblingsfilme, sieben Revolverhelden retten ein Dorf vor einer Räuberbande. Die Zeit der Western ist längst vorbei, unsere Helden heute heißen anders. Für Sie, liebe EXPRESS-Leser/innen, habe ich die „Glorreichen Sieben“ der Bundesliga-Trainer aufgeführt. Unabhängig von Titelgewinnen und Siegesserien, ganz nach meinen persönlichen Eindrücken.

Eine Momentaufnahme, mehr nicht. Denn gerade für Trainer gilt: Wer heute zu den „Glorreichen Sieben“ gehört, kann nach ein paar Pleiten im Bestseller das „Dreckige Dutzend“ eine Hauptrolle übernehmen. Nicht dabei in meiner Rangliste sind Trainer wie Michael Skibbe oder Michael Frontzeck, die mit ihren Clubs eine sehr gute Saison abgeliefert haben. Auch Zvonimir Soldo fehlt. Obwohl er es geschafft hat, den FC im schwierigen zweiten Jahr nach dem Auf- stieg in der Liga zu halten.

Ich freue mich, dass Wolf- gang Overath in diesen Tagen ein klares Bekenntnis pro Soldo abgegeben hat. Sie haben alle drei gute Arbeit geleistet – doch nur für sieben Mann war Platz. Was auffällt: Die drei ganz vorne in meiner Rangliste sind alle deutlich um die 60. Die beiden Kronprinzen Klopp und Schaaf, die sich dank er- folgreicher Arbeit, längst etabliert haben, marschieren auch mehr oder weniger schon Richtung 50. Doch für Trainer gilt, was für Spieler auch gilt: Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Erfolge. Strategie, People-Management, Mannschaftsführung Flexibilität – all das ist neben effektiver Trainingsarbeit gefragt. Und wer es nicht kann, der wird scheitern.

Platz 1: Felix Magath

Ob er Meister wird oder nicht, das ist mittlerweile völlig unwichtig. Er führte Schalke in die Champions League und das mit einem Kader, dem nicht viel zugetraut wurde. Kuranyi und Bordon waren abgeschrieben. Schmitz, Moritz oder Matip kannte kein Schwein – er formte daraus den großen Bayern- Rivalen. Nach den erstklassigen Erfolgen in Stuttgart, München und Wolfsburg ist er klar die Nummer 1. Hut ab, Felix – das hätte kein anderer geschafft!

Platz 2: Louis van Gaal

Im Herbst fast gefeuert, im Frühling gefeiert. Der knorrige Holländer durchlebte die gesamte Bandbreite des Trainerdaseins. Nie verlor er die Nerven, war sich nicht zu schade, sein Verhalten zu ändern und scharte so die Mannschaft hinter sich. Eine Leistung, von der sich viele junge Trainer eine Scheibe abschneiden können. Dazu die Chance auf drei Titel – großes Kino, Louis van Gaal! Und danke für das erste Champions-League-Finale seit 2002.

Platz 3: Jupp Heynckes

Er räumte bei den Bayern die Klinsmann-Scherben weg und ermöglichte damit erst den jet- zigen Husaren-Ritt durch die Königsklasse. Dann übernahm er Bayer und führte das junge Team von Rang neun in den internationalen Wettbewerb. Ruhig, sachlich, kompetent, er klagt auch jetzt nie über die vielen Verletzungen. Jupp drängt sich nie in den Vordergrund – ich hoffe, er bleibt der Liga noch lange erhalten. Ich drücke ihm die Daumen für Rang drei!

Platz 4: Thomas Schaaf

Der schweigsame Norddeutsche scheint auf die Werder- Rolle festgelegt – ein Leben lang! Na und? Er verkörpert sie perfekt. Wie Schaaf es immer wieder schafft, Krisen zu bewältigen, nötigt Respekt ab. Und immer wieder stellt Werder das offensivstärkste Team der Liga. Er ist einer, der es meist schafft, die richtige Mischung zu finden. Die Erfolge sprechen für ihn: Platz drei ist noch drin nach toller Aufholjagd, ebenso der erneute DFB- Pokalsieg.

Platz 5: Jürgen Klopp

Keiner lebt das Spiel seiner Mannschaft so wie er. Kloppo ist aber nicht nur der emotionale Hans Dampft an allen Linien, er ist ein erstklassiger Detailmalocher! Man muss nicht auf den Rasen schauen, um zu wissen, wie es in Dortmund steht. Sein Gesicht verrät alles. Spieler wie Subotic, Hummels, Schmelzer, die schon aussortierten Sahin und Valdez oder Barrios sind seine Entdeckungen – keine Frage: Klopps Casting fand die richtigen Talente.

Platz 6: Christian Gross

Sieht aus wie Yul Brynner und schweigt wie Charles Bronson. Der Schweizer führte den VfB in beeindruckender Manier von Rang 17 auf Platz sechs. Dank klarer Linie, gutem Konzept und einem Auge für seine Spieler. Aber er muss auf der Hut sein: Nach Trapattoni kam Ar- min Veh, wurde Meister und stürzte ab. Dann kam Markus Babbel, packte die Champions League und stürzte ab. Jetzt also Christian Gross und die Frage: Was passiert kommende Saison?

Platz 7: Thomas Tuchel

Hoppla! In Mainz kann auch ohne Jürgen Klopp Fußball gespielt werden. Thomas Tuchel übernahm als völlig unbeschriebenes Blatt einen Aufsteiger, den viele als Direkt-Absteiger tippten. Pustekuchen! Als jugendlicher Held eroberte er die Bühne Bundesliga, profitierte dabei auch von der Rückendeckung des Führungsduos Heidel/Strutz. Tuchel schaffte mit vielen Nobodies die beste Mainzer Saison. Ich wünsche ihm Glück für das schwere zweite Jahr!

 



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