
Don Calli macht die Schiris rund (3) - Reiner Calmund schreibt WM-Kolume im Express
Wenn nach Spielen das muntere Schiedsrichter-Gemotze losgeht, da bin ich eigentlich immer der Erste, der dazwischenhaut und die Männer an der Pfeife ver- teidigt. Mindestens einen, wenn nicht zwei Meistertitel holten wir mit Bayer Leverkusen auch deshalb nicht, weil die Unparteiischen mit zweifelhaften Entscheidungen etwas dagegen hatten. Trotzdem bin ich ein Anwalt der Schiris. Sie haben keine 20 Augen wie die Regisseure im Ü-Wagen. Sie müssen blitzschnell ent- scheiden, ohne Zeitlupen, ohne Wiederholungen. Das ist kein leichter Job, Fehler sind program- miert, aber menschlich und verzeihlich.
Keine Linie
Was mich nervt, ist etwas anderes. Bei dieser WM, der Weltmesse des Fußballs, da wird gepfiffen, als gäbe es verschiedene Regeln. Eine klare Linie? Da kannst du nicht mal von träumen! Bei dem einen wird getre- ten, dass die Funken fliegen, und der winkt Kaká wurde wegen eines leichten Remplers von Schiri Stephane Lannoy vom Platz gestellt. Die üblen Fouls der Ivorer sah der Unparteiische aber nicht. Foto: AFP lustig weiter, der andere pfeift jeden Körperkontakt ab und verteilt die Karten wie die Animateure auf Mallorca ihre Einladungskarten zum Disko-Abend in El Arenal. Ich will dem Spanier Undiano nicht den Vorwurf machen, er trage Schuld an der deutschen Niederlage gegen Serbien. Aber: Seine Pfeiferei ließ kein Spiel auf hohem Niveau zu. Fußball ist Männersport, da geht es zur Sache. Härte, Rasanz – das gehört dazu. Und es gibt Schiedsrichter, die lassen ein Spiel wunderbar laufen. Achten Sie mal drauf: Das sind meistens die, die am wenigsten auffallen. Für die EXPRESS-Leser habe ich meine drei Pfeifen aufgelistet, die drei Unparteiischen, die mich am meisten genervt haben und denen ich eine Briefmarke auf den Hintern kleben und nach Hause schicken würde:
1000 Karten mit 36 Jahren
1.) Undiano Mallenco (36, Spanien): Er verteilte die Karten wie ein Geber am Pokertisch. Er unterbrach ständig das Spiel und zerstörte den Fluss. Was mich wundert: Man kannte seine Vorgeschichte. Mit 36 Jahren hat er es geschafft , in seinen nationalen und in- ternationalen Spielen über 1000 Gel- be und Rote Karten zu verteilen. Der FIFA muss doch aufgefallen sein, dass er in den letzten 17 Spielen elfmal Rot zeigte. Mit zehn Gelben Karten beim U17-EM-Finale setzte er auch eine seltsame Duftmarke. Wenn sich solch ein Schiedsrichter für eine WM qualifiziert, dann muss er mächtige Freunde oder sogar Verwandte in der zuständigen Kommission haben. Anders kann ich mir das nicht erklären, ansonsten hat der gute Mann bei einer WM nämlich nichts verloren! Das ändert übrigens nichts daran, dass sich Miroslav Klose dämlich angestellt hat. Der Schiri war wirklich leicht zu durchschauen.
Die Pfeife aus Mali
2.) Der Mann aus Mali. Er heißt Coulibaly und verpfiff die Amerikaner, dass es auf keine „Cou“haut ging. Ich habe ohne Zeitlupe gesehen, dass zwei US-Boys elfmeterreif gehalten wurden, ein Dritter stieß von hinten in die Lücke der slowenischen Abwehr und traf zum 3:2 nach 0:2- Rückstand. Dachte er! Denn Coulibaly hatte was dagegen, ein Abseits gesehen, wo nun wirklich keines war, und zu allem Überfluss die zwei klaren Fouls ignoriert. Ich habe die Amis bewundert. Sie blieben ruhig! Wenn er das mit mir gemacht hätte, ich wäre zum Tier geworden.
Getreten wie Elefanten
3.) Der Franzose Lannoy, der sich den Leistungen seiner kickenden Lands- leute nahtlos anschloss und in Brasilien nun wahrscheinlich so be- schimpft wird wie Domenech von Anelka. Die Jungs von der Elfenbein- küste, eigentlich feine Kicker, haben getreten wie die Elefanten. Der Franzose sah die brutalsten Fouls nicht und Fabiano durfte vor seinem Tor zum entscheidenden 2:0 gleich zwei Mal den Ball mit dem Arm jonglieren und sich selbst vorlegen – eine unfassbare Szene. Und Kaká? Der wird provoziert ohne Ende, getreten und gehalten – dann wehrt er sich ein wenig und fliegt vom Platz! Wahnsinn.
Für dieses Schiri-Trio gilt: Die WM muss für sie beendet sein. Und denjenigen, die solche Männer an die Pfeife lassen, gebührt eine fette Gelb-Rote Karte – beim nächsten Mal bitte besser hingucken!
