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"Der viertbeste deutsche Fußballer aller Zeiten"
"Der viertbeste deutsche Fußballer aller Zeiten"

Die Kolumne von Reiner Calmund über Lahms Abschied bei t-online.de


Quelle: Imago/S. Pick

Mit 33 Jahren ist Schluss: Philipp Lahm beendet seine Karriere. Gegen Freiburg wird er das letzte Mal für den FC Bayern auf dem Platz stehen – ganz Fußball-Deutschland wird auf ihn schauen. t-online.de-Kolumnist Reiner Calmund verabschiedet den Weltmeister-Kapitän heute schon. Er verrät, wo er Lahm in seiner Liste der besten deutschen Spieler aller Zeiten einordnet.

Wenn am Samstag gegen 17. 20 Uhr die Bundesligasaison endet, dann geht eine Karriere zu Ende, für die das Attribut „groß“ bei weitem nicht ausreicht. Weil sie in der langen und so erfolgreichen Geschichte des deutschen Fußballs fast beispiellos ist.

Philipp Lahm macht Schluss und dies ist eine Entscheidung, die sich nicht nur viele Bayern-Fans wohl sehr schlecht vorstellen können.

Ein Trio mit Lahm prägte den Fußball

Es war 2001, am 1. Juli, als ich Lahm zum ersten Mal bewusst Fußball spielen sah. Als wuseliger und fleißiger Sechser organisierte er das Mittelfeld der U19 des FC Bayern, die in Leverkusen vor 18 000 Fans das Endspiel um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft gewann. Der auffälligste Akteur hieß Piotr Trochowski, der kurz vor dem Schlusspfiff den 3:2-Siegtreffer für die Bayern erzielte, für die mit Philipp Heerwagen, Markus Feulner und Zvjezdan Misimovic noch ein paar spätere Profis am Start waren.

Drei Jahre danach – Lahm spielte inzwischen auf Leihbasis für den VfB Stuttgart und hatte sich unter Felix Magath einen Stammplatz als Außenverteidiger erkämpft und den Sprung in die Nationalelf geschafft – lernte ich ihn näher kennen. Die völlig verkorkste Euro 2004 in Portugal beendete er als einer der wenigen Gewinner des Vorrunden-Aus. Mit ihm standen Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger im deutschen Kader – ein Trio, das unseren Fußball knapp ein Jahrzehnt prägen sollte.

Hätte man Lahm bloß klonen können

Ich müsste wahrscheinlich Stunden, wenn nicht Tage in meinem Archiv wühlen, um mich an eine wirklich schwache Partie dieses Weltklasse-Fußballers zu erinnern. Fällt Ihnen eine ein? Lahm spulte über zehn Jahre eine Leistung auf allerhöchstem Niveau ab, wie es nur ganz wenige Fußballer schaffen. Als er 2013 sein 100. Länderspiel absolvierte, war dieses Jubiläum auch deshalb bemerkenswert, weil er in allen diesen Spielen in der Startelf gestanden hatte.

Dabei schob er sich nie in den Vordergrund. Lahm machte keinen Hehl daraus, dass ihm die Sechser-Position lieber war als die hinten links oder rechts. Doch wenn er dort gebraucht wurde, dann wechselte er eben nach hinten, zuletzt als Kapitän während der WM 2014 in Brasilien. Kurios: Mit ihm verfügten die Bayern und Deutschland sowohl links als auch rechts über den besten Außenverteidiger der Welt. Hätte man ihn doch nur klonen können….

Für mich gehört Lahm zu den Top fünf

Ich bin sicher, das Münchener Publikum wird dem Kapitän am Samstag einen gebührenden Abschied bereiten. Er selbst hat die Chance mit dem 250. Bundesligasieg seiner großen Karriere an Sepp Maier und Lothar Matthäus vorbeizuziehen, bislang stehen 249 Siege zu Buche. Mehr haben nur der Ex-Hamburger Manfred Kaltz (291) und Lahms ehemaliger Teamkollege Oliver Kahn, der 310 Siege in der Liga feierte.

Für mich persönlich gehört Lahm zu den Top 5 der vergangenen Jahrzehnte. Hinter Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Lothar Matthäus steht er in meiner Rangliste auf Platz vier vor Miroslav Klose.

Er will sich nicht vom Platz pfeifen lassen

Wenn er jetzt aufhört, dann nicht, weil es nicht mehr ginge. Im Gegenteil: das Fachmagazin „kicker“ führt ihn mit einem Notendurchschnitt von 2,66 immer noch als zweitbesten Feldspieler der gesamten Saison – ein Musterbeispiel an Beständigkeit und Zuverlässigkeit.

Er ist auch ein intelligenter Mann, der selbst erkennt, wann es Zeit wird. Der sich nicht vom Platz pfeifen lassen will, der lieber dann geht, wenn alle seine Entscheidung betrauern – und nicht ihn.

Mir gefiel seine Rolle beim Ballack-Rücktritt nicht

Philipp Lahm ist in meinen Augen der optimale Top-Manager für den FC Bayern. Charakter, Einstellung, Identifikation – alles stimmt bei ihm, dazu kommt sein ausgleichendes Wesen, seine diplomatische Art und die Fähigkeit, Entwicklungen vorauszuahnen. Dass er dies nicht nur auf dem Rasen beherrschte, sondern auch im rauen Alltag, bewies er 2010. Damals war Lahm nicht ganz unbeteiligt am letztlich erzwungenen Rücktritt von Michael Ballack. Da zeigte der Münchener plötzlich Härte und Unnachgiebigkeit. Mir gefiel das persönlich nicht, doch in den Augen vieler Beobachter machte er damals sein Meisterstück und legte den Grundstein für seine erfolgreiche Ära, die letztlich im WM-Titel von Rio de Janeiro mündete.

Sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft kam nach diesem Erfolg meines Erachtens nach zu früh. Aber auch hier gilt: Lahm bestimmte das Ende, knallhart analysierte er sich, seine Möglichkeiten und die Ansprüche, die er an sich stellt. Er spürte sicherlich, dass seine Füße nach den vielen Schlachten mit größtem Laufpensum auf der Außenbahn schwerer wurden und zog vermutlich daraufhin einen Schlussstrich.

Ich bin sicher, wir werden ihn bald wiedersehen. Er wird eine Führungsrolle beim FC Bayern übernehmen, das ist für mich so sicher wie das Amen in der Kirche. Und einen besseren als ihn kann ich mir nicht vorstellen.

URL: http://www.t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_81171898/-lahm-ist-der-viertbeste-deutsche-aller-zeiten-.html

 

 



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