
CALLIS LIGA-CHECK KOLUMNIST REINER CALMUND ANALYSIERT DEN 20. SPIELTAG
Hertha, du bist nicht mehr alleine! So langsam rutschen auch andere prominente Klubs wieder mal in eine Krise. Stuttgart ist trotz Remis in Leverkusen nach sieben sieglosen Spielen dabei. Da läuft es schon länger wie auf einem Plattenspieler - alles kommt wieder. Nach Trapattoni, Veh, Babbel, Gross und Keller ist Bruno Labbadia der sechste VfB-Trainer seit 2005, der ziemlich hilflos die Achterbahnfahrt der Stuttgarter begleiten muss. Ich kann aus der Distanz die Arbeit von Labbadia nicht exakt bewerten, doch diesen alljährlichen Zickzackkurs kann man nicht nur den Trainern anlasten. Trotzdem: Im Fußball läuft es wie bei einem Unternehmen. Kein Umsatz, kein Gewinn, keine Punkte - dann fehlt das Wesentliche. Und plötzlich hast du als Trainer die Briefmarke schneller auf dem Hintern, als du gucken kannst.
Etwas mehr Zeit wird wohl Michael Skibbe noch haben. Denn bei allem Respekt für den Aufstieg und die Arbeit von Markus Babbel, so sicher, wie viele geglaubt haben, stand die Truppe auch vor der Winterpause nicht da. Insgesamt neun sieglose Spiele in Folge stehen zu Buche, sechs davon gab es aber schon vor der Saison-Halbzeit. Letzter Sieg: im Oktober. Unentschieden helfen nicht. Wenn man 34-mal in der Saison Remis spielt, steigt man ungeschlagen ab. Gewinnt heute Kaiserslautern, rutscht die Hertha sogar auf den Relegationsplatz ab und punktet Freiburg, beträgt das Berliner Polster auf den Abstiegsplatz auch nur noch ein mickriges Pünktchen. Jetzt heißt es: nicht quatschen, sondern machen.Ich kann mir vorstellen, dass es dort zurzeit nicht wirklich Spaß macht. Gelacht wird bei den anderen dafür umso lauter. Dortmund ist erleichtert, dass Lucas Barrios wieder trifft. Und dann natürlich noch Mohammed Zidan bei seiner dritten Premiere in Mainz. Manchmal reicht es eben schon, das Umfeld zu verändern. Und schon läuft es wieder, Zidans Tor beim 1:1 bei Schalke sorgt für neue Euphorie.
05. Februar 2012 15.30 Uhr, bz-berlin.de
