
Don Calli macht die Liga rund (19) - Reiner Calmund schreibt im Express
Ich beginne heute mit einem Wort in eigener Sache zu meinem Ex-Klub und Michael Ballack. Wer jetzt erwartet, dass ich mich lang und breit zu den Vorfällen der vergangenen Tage äußere, den muss ich enttäuschen.
Die Gespräche, die ich mit den Beteiligten geführt habe, sind vertraulich. Und das sollen sie bleiben. Deshalb nur so viel: Bayer und Michael Ballack haben sich das beide völlig anders vorgestellt.
Und niemand konnte damit rechnen, dass es sich so entwickelt. Aber man sollte jetzt die Giftpfeile im Köcher lassen und die Sache in Ruhe zu einem vernünftigen Ende bringen.
Denn die Liga hat auch sportlich mehr als genug zu bieten. Der überraschende und verdiente Sieg von Borussia Mönchengladbach vor einer Woche sorgt für ein Gedränge an der Tabellenspitze, wie ich es seit vielen Jahren nicht mehr erlebt habe. Vier Klubs ganz eng beieinander – Spannung pur bestimmt den Liga-Alltag, keine Spur von Langeweile, Fußballherz, was willst du mehr?!
Völlig jeck: Was für oben gilt, gilt genauso für den Keller. Und da beschert uns der 19. Spieltag eine Konstellation, die man so nicht erfinden könnte. Die letzten sechs Klubs der Tabelle spielen gegeneinander, das wird ein Wochenende, an dem der Angstschweiß in Strömen fließt und die Nerven so blank liegen wie die Silikonkissen im Dschungelcamp.
Nehmen wir den Hamburger SV. Da dachten alle, die seien schon gerettet, da schielten die Optimisten schon Richtung Europa League. Und was passiert? Fünf Knallzigarren von Borussia Dortmund! Und wenn die Hamburger jetzt in Berlin verlieren, sind sie plötzlich wieder ganz dick drin im Keller-Geschäft.
Hertha gegen Hamburg, Mainz gegen Freiburg, Augsburg gegen Kaiserslautern – das ist Abstiegskampf pur und Spannung, wie sie in Europa nur die Bundesliga zu bieten hat. Oben und unten!
Was tut sich in der Mitte? In Bremen geht es für Werder und Bayer um eine ganze Menge. Wer dieses Spiel gewinnt, kann die Euro-League fast schon als sicher betrachten und darf noch einmal auf Platz vier und die Königsklassen-Qualifikation schielen.
Und der 1. FC? Köln Mit einem Sieg gegen Schalke könnten Poldi und Co. den Mittelfeldplatz festigen. Was spricht dafür, was spricht dagegen? Die Schalker haben beim Auftakt gegen Stuttgart wie aus einem Guss gespielt. Aus einem scheinbar wild zusammengekauften Haufen hat Huub Stevens eine homogene Einheit geformt.
Der alte Knurrkopp gefällt mir immer besser. Ihm ist es egal, welche Spieler Vorgänger Magath oder Rangnick geholt haben. Für ihn sind das alles „Schalker Jungs“. Und mit denen wird gearbeitet, die redet er stark, und deshalb steht er mit Königsblau so weit oben. Kompliment.
Trotzdem hat der FC eine realistische Chance. Denn Stevens fehlt neben Benedikt Höwedes, Jermaine Jones, Lewis Holtby und Jefferson Farfan jetzt auch noch Raul. Der FC muss endlich seine Chancen besser nutzen, das war schon in Wolfsburg das Manko. Klappt es mit einem Sieg, ist der Anschluss ans Mittelfeld wieder hergestellt.
Ich glaube, dann würde der FC für den Rest der Saison nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Bei einer Niederlage winkt das Abstiegsgespenst. Ich bin ganz sicher, auf diese Art von Spannung können alle FC-Fans verzichten.
