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"Toni Kroos ist ein Champions-League-Gigant"
"Toni Kroos ist ein Champions-League-Gigant"

Reiner Calmund spricht bei FOCUS online, was dem Madrid-Star beim FC Bayern fehlte


 Toni Kroos gewinnt als erster deutscher Fußballer zum dritten Mal die Champions League. Ex-Leverkusen-Boss und Kroos-Kenner Reiner Calmund spricht bei FOCUS Online über die Förderer des Weltmeisters und erklärt, warum es am Ende mit den Bayern und dem Madrid-Star nichts mehr wurde.
Reiner Calmund, ehemaliger Manager von Bayer Leverkusen, erklärt im Gespräch mit FOCUS Online, wie Toni Kroos zum Weltstar reifte, wer seine größten Förderer waren.


FOCUS Online: Herr Calmund, Sie haben in einer Kolumne bei t-online.de geschrieben, dass Toni Kroos auf dem Fußball-Olymp angekommen sei, nannten seinen Namen in einer Reihe mit Franz Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Gerd Müller, Sepp Maier und Uli Hoeneß.

Rainer Calmund: Das ist richtig. Ich habe das allerdings auf die Anzahl der gewonnenen Champions-League-Titel bezogen, wo ich den Europapokal der Landesmeister dazuzähle.

Fußball ist kein Eiskunstlauf, da zählt nicht die Kür, sondern Titel. Und Toni Kroos hat – wie die Spieler, die Sie bereits genannt haben - dreimal den Champions-League-Titel gewonnen. Das ist Fakt und eine außergewöhnliche Kategorie, etwas ganz Besonderes. "Bulle" Roth und Hans-Josef Kapellmann ist das übrigens auch gelungen.

FOCUS Online: Ist der Gewinn der Champions League, wie wir sie heute kennen, vergleichbar mit dem Gewinn des Landesmeister-Pokals?

Calmund: Nein, ich bin der Meinung, dass es sogar schwieriger ist als früher. Schauen Sie sich doch alleine die Startaufstellungen im Champions-League-Finale an. Vier Italiener, vier Brasilianer, drei Spanier, zwei Franzosen, zwei Argentinier, zwei Deutsche, zwei Kroaten. Durch die Internationalisierung des europäischen Fußballs spielen Profis aus aller Welt in den Vereinen. Es ist schwieriger, sich einen Stammplatz in einem solchen Club zu erarbeiten als in der Nationalmannschaft. In den 1970er Jahren war das noch anders.

FOCUS Online: Warum ist gerade Kroos dieses Kunststück gelungen?

Calmund: Er war im richtigen Moment an der richtigen Stelle.  Auf diesem Niveau entscheiden manchmal Kleinigkeiten. Michael Ballack beispielsweise, den ich sehr schätzte, hatte nie das Glück. Mit Leverkusen 2002 (Bayer 04 verlor gegen Real Madrid damals 1:2, d. Red.) oder 2008 mit Chelsea als sein Mannschaftskollege John Terry beim Elfmeter wegrutscht und am Ende Manchester United gewinnt. Auch Lothar Matthäus, der 1990 völlig zurecht Weltfußballer geworden ist, war das nicht vergönnt.

FOCUS Online: Kroos hat zuletzt gesagt, er sei "froh darüber", dass es damals mit einer Vertragsverlängerung beim FC Bayern nicht geklappt hat, die offenbar nicht nur aus finanziellen Gründen scheiterte.

Calmund: Bayern ist ein absoluter Ausnahmeverein und man muss allerhöchsten Respekt davor haben, was sie für den deutschen Fußball leisten. Natürlich bin ich nicht in Vereinsinterna involviert, aber ich glaube schon, dass Kroos ein vernünftiges Angebot unterbreitet wurde. Ich glaube allerdings auch, dass es da vielleicht mehr um Wertschätzung ging, wenn man bedenkt, dass Kroos ein wichtiger Teil der 2014er Weltmeistermannschaft war, sogar in der Top-Elf des Turniers stand. Und wenn dann so ein Verein wie Real Madrid mit einem Angebot kommt, ist es ja völlig legitim, dorthin zu wechseln.

FOCUS Online: Bevor er bei Bayern und später in Madrid zum Weltklasse-Spieler reifte, trug er anderthalb Jahre das Trikot ihres Ex-Vereins Bayer Leverkusen. Rückblickend betrachtet, der richtige Schritt, oder?

Calmund: Ja, natürlich. Ich weiß noch, dass Kroos bei der U17-Weltmeisterschaft in Südkorea zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Das muss man sich mal vorstellen: Bei so vielen Talenten hat Toni noch einmal extra herausgeragt. Und selbst das ist keine Garantie, dass du es bei einem absoluten Top-Verein sofort packst.

In Leverkusen hatte er natürlich das große Glück, dort auf Jupp Heynckes als Trainer zu treffen, der gleich auf ihn gesetzt hat. Leverkusen ist damals Herbstmeister geworden, war 23 Spieltage lang ungeschlagen. Da konnte sich Toni gut entwickeln, weil er dort zum Stammspieler gereift ist. So ähnlich war es ja auch bei Philipp Lahm, der den Umweg VfB Stuttgart genommen hat, bevor er dann zurück nach München ging.

FOCUS Online: Drei Jahre nach seiner Rückkehr zu den Bayern holte Kroos mit Heynckes als das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Hat sich dort der Kreis mit seinem Förderer geschlossen?

Calmund: Jupp war natürlich eine wichtige Figur in Tonis Karriere, das ist klar. Aber auch Matthias Sammer zum Beispiel, hat seinen Weg sowohl beim DFB als auch hinterher bei Bayern eng begleitet. Auch Joachim Löw muss man nennen, wenn es darum geht, die einflussreichsten Förderer von Toni einzuordnen.

FOCUS Online: Nach dem Sieg gegen Juventus Turin ist Kroos zu DFB-Kollege Sami Khedira gegangen und hat ihn getröstet.

Calmund: Anstatt sich selbst zu feiern, geht er zu seinem Kumpel und spricht ihm Mut zu. Toni ist nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch hervorragend. Ich freue mich sehr für ihn, dass er den Pott zum dritten Mal geholt hat.

www.focus.de/sport/fussball/championsleague/interview-ueber-real-star-reiner-calmund-erklaert-warum-toni-kroos-zu-den-besten-gehoert_id_7215468.html



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