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"Verständlich, dass Watzke einen Hals auf Tuchel hat..."
"Verständlich, dass Watzke einen Hals auf Tuchel hat..."

Die Kolumne von Reiner Calmund bei t-online.de


Quelle: Hartenfelser/Imago/S.Pick

Der Streit zwischen BVB-Geschäftsführer Watzke und Trainer Tuchel ist das Thema der Woche. t-online.de-Kolumnist Reiner Calmund erklärt, wer aus seiner Sicht in welcher Situation im Recht war und was die Beteiligten nun machen müssen: Die weiße Flagge hissen oder sich sofort trennen.

Fußballfans – und mögen sie noch so sehr jeden Schritt ihres Klubs verfolgen – sind immer Außenstehende. Sie konsumieren die Reaktionen ihrer Lieblinge in der Zeitung, online, vor dem Fernsehschirm oder im engsten Kreis bei Fan-Meetings. Das große Ganze bekommen sie aber selten präsentiert, Dissonanzen werden in der Liga meist unter der Decke gehalten, um nicht noch zusätzlich unnötigen Staub aufzuwirbeln.

Seit dem vergangenen Wochenende ist dies – zumindest in Dortmund – anders. Millionen Fans bekommen mit, dass es offensichtlich eine Menge Meinungsverschiedenheiten zwischen der BVB-Geschäftsführung und Trainer Thomas Tuchel

Die Spiel-Ansetzung nach dem Anschlag war alternativlos

Der aktuelle Fall basiert auf dem grässlichen Sprengstoffanschlag auf die im Bus sitzenden Spieler, Trainer und Betreuer. Nach außen hin erlebten wir Konsumenten dies als letztlich gut gemanagt von allen Seiten. Hier Aki Watzke, der in den Krisenstäben ruhig und sachlich argumentierte, dort Thomas Tuchel, der zunächst in vorsichtigen Worten den eigenen Zustand und den der Mannschaft beschrieb und anmerkte, man habe sich eine längere Pause nach dieser schrecklichen Erfahrung gewünscht.

Ich hatte als Vertreter der Bundesliga schon vor 25 Jahren bei wichtigen Organisations-Besprechungen für Sportveranstaltungen mit erhöhtem Sicherheits-Risiko einen Stammplatz im Krisenstab und kenne die Problematik. Das Ergebnis der Gremiums-Vertreter aus den Bereichen Sicherheit, UEFA und der Vereine konnte ich daher trotz Unverständnis einiger Kritiker klar nachvollziehen. Es gab alleine aus sportlicher Sicht keinen vernünftigen Termin. Bei einer Verschiebung in die darauf folgende Woche hätte der BVB in 28 Tagen – das Champions-League-Halbfinale musste ja zu diesem Zeitpunkt noch einkalkuliert werden – neun Pflichtspiele austragen müssen, also alle drei Tage ein Spiel. Ein NoGo in der entscheidenden Phase einer kräftezehrenden Saison.

Rückzug hätte Attentäter als Triumphator dastehen lassen

Gerade in unserem Land gibt es viele Meckerer, Chef-Bedenkenträger und Besserwisser, die im Nachhinein immer genau erklären können, welche Entscheidungen falsch waren. Bei der Entscheidung durch den mächtigen Krisenstab wurde Aki Watzke von seinem Kollegen und BVB Präsident Reinhard Rauball unterstützt, der sowohl als amtierender DFB-Vize und Präsident der Bundesliga viel Erfahrung in diesen Themen hat.

Es gab im Endeffekt nur drei Möglichkeiten: Am Tag danach zu spielen, im Hinspiel nicht anzutreten und mit einer 0:3 Wertung nach Monaco zu reisen, oder freiwillig aus dem Wettbewerb auszuscheiden. Einen kompletten Rückzug aus dem Wettbewerb hätte den Champions-League-Traum vieler Spieler abrupt beendet und den zu diesem Zeitpunkt nicht bekannten Attentäter als Triumphator dastehen lassen. Dass Watzke jedem Spieler eindeutig und verständnisvoll freistellte, alleine über eine Teilnahme zu entscheiden, ließ die Verantwortlichen des BVB in meinen Augen sehr menschlich dastehen.

Ich habe Verständnis, dass Watzke einen dicken Hals auf Tuchel hat

Für beide – Watzke und Tuchel – gab es Verständnis und Lob dafür, wie sie die Angelegenheit gemanagt haben. Weil aber der Trainer bereits am Mittwoch nach dem Anschlag die Entscheidung kritisierte und neben einigen unangemessenen Aussagen die Kommunikation innerhalb des Vereins als unzureichend darstellte, sehe ich in diesem Fall Watzke im Recht. Wenn es in der Kommunikation Probleme gab, dann mussten die hinter verschlossenen Türen aus der Welt geschafft werden.

Dies ändert nichts daran, dass Thomas Tuchel ein ausgezeichneter Trainer ist. Nach dem Abgang von drei Weltklasse-Spielern mit Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan ist der sportliche Erfolg dennoch eingetreten. Tuchel entwickelte im Umbruch junge Spieler wie Dembélé oder Guerreiro, trotzte dem Verletzungspech und erreichte mit der Mannschaft das Viertelfinale der Champions League, das DFB-Pokalfinale und aktuell steht in der Liga Rang drei zu Buche. Kompliment! Trotzdem habe ich Verständnis, dass Watzke wegen der überzogenen Kritik seines Cheftrainers einen dicken Hals auf Tuchel hat, dennoch sind seinen Aussagen zum jetzigen Zeitpunkt falsch und nicht im Sinne des Vereins. Es gilt jetzt Ruhe zu bewahren.

Sie müssen die weiße Flagge hissen oder sich trennen

In drei Wochen ist die Saison zu Ende. Ich drücke der Borussia die Daumen, dass nach den schrecklichen Eindrücken vom 11. April alle Ziele erreicht werden.

Doch auch dann wartet noch die Schlussrunde. Es muss klärende Gespräche geben. Sind es „nur“ Meinungsverschiedenheiten? Oder trennen die Hauptdarsteller tiefe Gräben? Und da gibt es in meinen Augen nur zwei Möglichkeiten, die unbefriedigende Situation zu beenden:

Entweder man findet noch einmal zusammen, räumt alles aus dem Weg, hisst die weiße Flagge und arbeitet erfolgreich weiter. Oder aber man erkennt, dass es nur noch halbherzig weitergeht, dass die Chemie nicht mehr stimmt. Dann ist eine sofortige Trennung der einzige Ausweg. Selbst eine Vertragserfüllung bis 2018 wäre dann nicht machbar, weil das Verhältnis zu stark belastet ist.

URL: http://www.t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_81105296/calmund-kolumne-verstaendlich-dass-watzke-einen-hals-auf-tuchel-hat-.html

 



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