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"Das wird keine Dorfveranstaltung"
"Das wird keine Dorfveranstaltung"
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Interview mit Reiner Calmund zum bevorstehenden Benefizspiel der haitianischen Nationalmannschaft gegen die "ran"-Allstars am 07. März 2010


Die Menschen in Haiti brauchen Hilfe. Geld, aber ebenso nötig auch Freude, Hoffnung und neuen Lebensmut. Den kann nicht zuletzt auch der Sport vermitteln. „ran“ hilft den Menschen des Inselstaates mit einem Fußballspiel zwischen der haitianischen Fußball-Nationalmannschaft und den „ran“-Allstars. Teamchef der Haitianer ist Fußball-Schwergewicht Reiner Calmund, der ehemalige Manager des aktuellen Bundesliga-Spitzenreiters Bayer Leverkusen. Im Interview mit ran.de spricht Calmund über seine Aufgabe, über die Rolle Haitis im Weltfußball und über die Chancen seiner Schützlinge gegen die Allstars um Lothar Matthäus, Giovane Elber und Jürgen Kohler.

Frage: Herr Calmund, Sie haben immer gesagt, dass Sie im Fußball keinen Job mehr übernehmen wollten, was hat Ihre Meinung geändert?

Reiner Calmund: Es ist kein Job! Es ist eine Möglichkeit, zu helfen. Dieses Fußballspiel ist eine ideale Plattform, die Menschen in Deutschland bis in den letzten Winkel zu mobilisieren und den Opfern des Erdbebens in Haiti zu signalisieren: „Wir sind für Euch da!“. Vor allen Dingen, weil das Spiel in Deutschland und Haiti live übertragen wird.

Frage: Was sind Ihre Aufgaben als Team-Manager Haitis?

Calmund: Es ist wichtig, den jungen Fußballern ein paar Tage Abwechslung zu verschaffen von den schrecklichen Eindrücken, die in den vergangenen Wochen auf sie eingestürzt sind. Da ist es sicherlich die vordringlichste Aufgabe, ihnen den Aufenthalt in Deutschland so angenehm wie möglich zu gestalten.

Frage: Haben Sie die Nationalhymne Haitis schon drauf?

Calmund: Nein, ich weiß nur, dass es eine französische und eine kreolische Version gibt. Die deutsche Hymne singe ich mit, die von Haiti versuche ich zu summen.

Frage: Wie kommunizieren Sie mit Ihren Jungs?

Calmund: Englisch wird vielleicht gehen, ein bisschen mit Händen und Füßen hat auch noch jeder verstanden. Und wir haben Dolmetscher. Das ist ja keine Dorfveranstaltung, sondern hochprofessionell organisiert, damit die Jungs auch jede Menge davon haben, ebenso wie das gesamte haitianische Volk, das die Partie im nationalen Fernsehen live verfolgen kann. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass die Spieler das Gefühl haben, knapp 10.000 Kilometer von zuhause, ihren Landsleuten in dieser schweren Zeit helfen zu können. Sie sind wichtiger Bestandteil dieses Abends, dessen Erlös den Opfern zugutekommt.

Frage: Unabhängig von der schrecklichen Katastrophe, wo steht der haitianische Fußball zurzeit?

Calmund: Haiti konnte 2007 den Karibik-Cup gewinnen, stand sowohl 2009 als auch 2002 im Viertelfinale der nord- und mittelamerikanischen Kontinentalmeisterschaft, vergleichbar mit unserer Europameisterschaft. Das waren sicherlich die größten Erfolge seit der WM-Teilnahme 1974 in Deutschland. Ansonsten ist es verständlich, dass in einem der ärmsten Staaten der Erde auch die Strukturen im Fußball-Verband leiden. Dennoch ist Haiti aktuell 95. der FIFA-Weltrangliste, vor Ländern wie Moldawien oder Albanien. Zum Vergleich: Der Nachbarstaat, die Dominikanische Republik, rangiert auf Platz 190. Dazwischen liegen Welten.

Frage: Haben Sie noch Erinnerungen an den einzigen WM-Auftritt des Inselstaates, 1974 in Deutschland?

Calmund: Klar, die Führung im ersten Spiel der Haitianer gegen Italien bedeutete eine Sensation. Der große Dino Zoff kassierte in der zweiten Halbzeit, beim Stande von 0:0, den ersten Treffer nach über 1.000 Minuten ohne Gegentor. Dieser Treffer machte Emanuelle Sanon für kurze Zeit in der ganzen Welt berühmt. Ansonsten waren die Haitianer sportlich sicherlich nicht die Besten, gehörten aber dank ihres karibischen Charmes zu den angenehmsten und lustigsten Gästen. Frage: Gibt es so etwas wie einen haitianischen Fußball-Superstar? Calmund: Das ist sicherlich Sanon, der leider sehr früh verstarb. Und natürlich Henri Francillon, der Torwart, der nach der WM 74 gleich in Deutschland blieb und für die Münchener „Löwen“ spielte und später nach Amerika wechselte.

Frage: Was können die Haitianer gegen die Allstars ausrichten; oder verhält es sich eher umgekehrt?

Calmund: Ich sehe die Abteilung „Jung und dynamisch“ im Vorteil. Wenn die Jungs aus Haiti, von denen acht Spieler in europäischen Ligen kicken, nicht vor den großen Namen wie Matthäus, Scholl, Kohler, Bobic, Elber, Brehme, Helmer oder Buchwald in Ehrfurcht erstarren, sind sie leichter Favorit. Aber ich kenne natürlich auch den Ehrgeiz unserer Allstars: Das sind ehemalige Weltmeister, Europameister, Champions-League-Gewinner, Meister und Pokalsieger – da sind viele absolute Granaten dabei. Und zu verlieren liegt denen bis heute nicht.

Frage: Welche Taktik werden Sie Ihrer Elf angedeihen lassen?

Calmund: Taktik ist Sache des Trainers. Da habe ich mich noch nie eingemischt. Es soll zwar Spaß machen, aber trotz des Benefizgedankens soll es kein Kirmesspiel werden.

Frage: Sie sitzen auch in der Jury, die die Wild Card und damit den letzten freien Platz im Kader der Allstars vergeben wird. Wie sieht es bisher aus mit dem Niveau der Kandidaten?

Calmund: Es gibt eine Menge guter Kandidaten und die Auswahl fällt damit sehr schwer. Es ist auf jeden Fall ein schöner Anreiz für die Bewerber, gemeinsam mit den Großen von gestern in einem Team zu spielen.

Frage: Der März ist der große „ran“-Monat, mit dem Haiti-Spiel, der Champions und der Europa League, und – zum ersten Mal seit neun Jahren – auch wieder mit Boxen. Haben Sie eine Affinität zum klassischen Faustkampf?

Calmund: Ob „Sonnyboy“ Felix Sturm, den ich aus Leverkusen kenne, Susi Kentikian, mit der ich schon ein paar Mal bei Stefan Raab war, ob Artur Abraham, der ein richtiger Gentleman und Champ ist oder ob Regina Halmich, die „Grande Dame“ des Boxens – ich mag diese neue Generation. Es ist ein Wahnsinn, wie sicher sich zum Beispiel die Klitschkos weltweit auf dem Parkett der Öffentlichkeit bewegen und auch mit sozialem Engagement glänzen. Und jetzt bin ich sehr gespannt auf Steffen Kretschmann. Mal sehen, was der Junge drauf hat…

Sat.1/Kötter


 



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