Calli on Tour

Calli on Tour

Keine Nachrichten in dieser Ansicht.

» Termine


Twitter

Calli zwitschert mit

Reiner Calmund nutzt den "Micro-Blogging"-Dienst Twitter » weiterlesen

twitter rss facebook youtube

Suche

suche

Archiv

"Bei Poldi geht’s um Gefühl, nicht um Logik"
"Bei Poldi geht’s um Gefühl, nicht um Logik"

Don Calli macht die Liga rund (22) - Reiner Calmund schreibt im Express


Wohin geht die Reise von Lukas Podolski? Letzten Sonntag sorgte er vorm Spiel gegen den HSV mit seiner Kritik an der FC-Vereinsführung für viel Ärger und Wirbel am Rhein.

Montag war Prinz Poldi wieder lieb und präsentierte bei der FC-Karnevalssitzung sein großes kölsches Herz. Auf Dutzenden von Fotos strahlt er Lebensfreude, Herzlichkeit und gute Laune pur aus. Keine Spur von Frust.

Am Dienstag zählte er neben Mario Götze, Marco Reus, Michael Ballack, Otto Rehhagel, Matthias Sammer, Bernd Schneider und Stale Solbakken zu den prominenten Gästen beim Champions-League-Spiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Barcelona.

Poldi zeigte eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lockerheit. Zunächst beobachtete er sehr konzentriert und genau die spanischen Welt- und Europameister, nach Spielschluss frotzelte er mich mit seinem typisch breiten Lächeln: „Ja, Calli – wir haben mit dem FC hier 4:1 gewonnen. Wir waren sogar noch ein Tor besser als Barcelona.“

Poldis Achterbahnfahrt der Gefühle! Wie kann man sie bewerten? Seine Vorwürfe an die Vereinsführung des FC waren zwar nicht neu, doch ausgerechnet vorm HSV-Spiel und nach der bis dahin besten Bilanz des FC seit elf Jahren klangen Poldis Attacken ein wenig nach den ersten Strophe seines Abschiedssongs aus Köln.
Mir gegenüber hat Poldi die von Geschäftsführer Claus Horstmann verhängte Sanktion ohne jeden Groll akzeptiert. Und wer ihn anschließend bei der FC-Sitzung oder in Leverkusen erlebte, der bekommt auch das Gefühl vermittelt, das Rennen um den Superstar sei für den FC noch völlig offen!

Doch wie stehen die Kölner Chancen auf eine Vertragsverlängerung wirklich? Dass wir uns richtig verstehen. Ich bin nicht als Schlau-schlau unterwegs, der Prognosen abgibt, die durch nichts untermauert sind. Ich versuche nur, die Situation ein wenig zu analysieren, und versuche, daraus meine Schlüsse zu ziehen.

Jeder normale Spitzenspieler, der wie Poldi im Sommer 27 Jahre jung würde und schon 100 Länderspiele auf dem Buckel hätte, würde zu einem internationalen Spitzenklub wechseln. Aber bei Poldi geht es nicht nur um Logik, seine Gefühle spielen verrückt – und sein kölsches Jeföhl funkt immer wieder: „Bliev in Kölle, Lukas, he jehürst de hin mit dinger Frau und dem Jung!“

Für mich fährt Lukas bei seinen Gedanken und Aktionen auch keinen Zickzack-Kurs, um sich die Sympathien seiner Fans zu sichern. Ich glaube, Poldi bliebe auch bei einem Vereinswechsel der „ewige Prinz“, ein Abgang würde nichts ändern an seinem Status als Klub-Ikone und Fußball-Legende im Kölner Umfeld. Ihm ist nichts vorzuwerfen.

Wie sehr sein Herz für die Region und die „Geißböcke“ schlägt, untermauerte er mit seiner Rückkehr vom FC Bayern. Trotz vieler attraktiver Angebote kam für Podolski nur „sein“ 1. FC Köln als neue Adresse infrage.

Poldi ist nicht nur das Gesicht des 1. FC Köln. Als in der letzten Saison die Abstiegsglocken Alarm läuteten, leitete er an der Seite seines langjährigen Förderers und ehemaligen Jugendtrainers Frank Schaefer den Umbruch beim FC ein. Gemeinsam veränderten sie das Denken in der Truppe, stärkten Moral und Mentalität. Als Kapitän war er Leader, Leistungsträger und wichtiger Torschütze, er war ein Garant für den Klassenerhalt.

Als vor der Saison Stale Solbakken Poldi als Kapitän überraschend absetzte, schien der Hauskrach programmiert. Die Medien bliesen zur Attacke. Doch das Kölner Idol ballte die Faust in der Tasche und stellte seine persönlichen Interessen hinter denen des Klubs an. Heute haben Trainer und Superstar ein tolles Verhältnis, beide vertrauen und schätzen sich.

Der Norweger weiß, dass sein Team ohne Poldis Beitrag – nicht nur wegen der 15 Tore – voll im Abstiegskampf stecken würde. Ich bin sicher: Dieser Trainer kann ein wichtiger Joker sein im Poker um Poldi.

Ich habe mich in meiner Kolumne schon vor Monaten festgelegt. Poldi geht es nicht nur um die Kohle. Er sucht auch keine Alibis für einen Wechsel. Er will Kontinuität, Ruhe und Erfolg. Er will eine Mannschaft, die mittelfristig auch mal die Fühler Richtung Europa ausstrecken kann. Diese Wünsche sind legitim und für jeden Fußballfan nachvollziehbar.

Der FC hatte im Übrigen drei Jahre Zeit, diese Voraussetzungen – die ihm ja in Aussicht gestellt wurden – zu schaffen. Man darf sich nicht wundern, dass sie nun eine Rolle spielen, wenn es um die Zukunft geht.

Letzter Hinweis für alle Schlauberger: Lukas Podolski nimmt am Montag beim „Zoch“ als Prinz, König und Liebling der Kölner ein Bad in der Menge von rund einer Million Zuschauer. Solche Momente dürfen nur ganz wenige Menschen in ihrem Leben genießen.

Wer Poldi so etwas neidet oder ihm den Rosenmontagszug verbieten will, der hat überhaupt nichts kapiert. Anders als Stale Solbakken. Der ist zwar erst ein gutes halbes Jahr hier, aber schon ein schlauer Taktikfuchs. Der Norweger weiß genau: Poldis Teilnahme am Zug kann für den Klub wichtiger sein als zwei Vertragsrunden!
Ach ja, ich bin am Montag auch dabei. Ich fahre wie Poldi bei der „Ehrengarde“ mit, ich bin das grün-gelbe Kügelchen oben auf dem Wagen. Und ich verspreche: Ich beobachte das ganze Spektakel aus nächster Nähe. Ich bin sicher, Jubel und Rummel um „Prinz Poldi“ wird größer sein als eine Woche später beim Derby gegen Leverkusen.

Und genau dies wird ein Moment sein, der ihn dazu bewegen könnte, in Köln zu bleiben. Aber dazu ist ganz wichtig, dass am Aschermittwoch auch der Rest stimmt! Poldi will überzeugt werden. Das muss der FC doch hinkriegen.



Beitrag mit anderen teilen:
twitterfacebookmyspace