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"Felix, die Zeit der One-Man-Show ist vorbei!"
"Felix, die Zeit der One-Man-Show ist vorbei!"

Don Calli macht die Liga rund (27) - Reiner Calmund schreibt im Express


Ich kann aus der Distanz nicht beurteilen, inwieweit die Vorwürfe des Schalker Aufsichtsrates gegen ihren Ex-Trainer Felix Magath berechtigt waren.

Was ich aber ebenso wie jeder Fußballfan beurteilen kann, ist, dass Magath als Trainer seit seiner Amtsübernahme 2009 mit der Vize-Meisterschaft sowie dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League und dem Erreichen des DFB-Pokalendspiels hervorragende Arbeit geleistet hat.

Dass Felix' Umgangston nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, wusste jeder Insider. Ihm unmenschliche Mannschaftsführung und ein seltsames Finanzgebaren mit buchhalterischen Fehlern vorzuwerfen, halte ich nicht für fair, zumal Schalke bereits vor Magaths Inthronisierung mit einer bedrohlichen Finanzsituation zu kämpfen hatte.

Die abstiegsbedrohten Wolfsburger verhinderten mit der Nacht- und Nebel-Rückholaktion ihres Meistertrainers vermutlich eine Schlammschlacht. Ich wünsche den VW-Verantwortlichen, dass sie mit dieser ungewöhnlichen – aber für mich absolut nachvollziehbaren – Entscheidung die richtigen Weichen für den Klassenerhalt gestellt haben.

Nach dem Schalke-Theater würde ich Magath dringend empfehlen, sich in Wolfsburg ausschließlich auf seine Aufgaben als Cheftrainer und Manager zu konzentrieren. Schon zu meiner aktiven Zeit habe ich häufig betont, dass die Tage der One-Man-Show in der Bundesliga vorbei sind.

Ich hatte vor zehn Jahren ein halbes Dutzend Leute um mich herum, die in ihren Fachgebieten fitter waren als ich. Auch für Felix, den ich ungeheuer schätze, und der in den letzten zehn Jahren der erfolgreichste Bundesliga-Trainer war, ist es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, drei Jobs als Cheftrainer, Manager und Vorstandssprecher auf sich zu vereinigen.

Um das zu veranschaulichen, genügt ein Blick zum Tabellenführer: Glaubt jemand ernsthaft, eine einzige Person könnte die Aufgaben von Trainer Klopp, Manager Zorc und Geschäftsführer Watzke – die ja in Dortmund alle drei richtig malochen – alleine bewältigen?

Schalke probiert es jetzt also ohne Magath – Sonntag in Leverkusen sitzt Seppo Eichkorn auf der Bank. Wo Jupp Heynckes in der kommenden Saison arbeiten wird, darüber wird morgen bei meinem Ex-Klub gesprochen.

Die Spekulationen, Jupp habe so lange mit der Entscheidung pro Bayer gezögert, um auf ein anderes Angebot zu warten, halte ich für absolut haltlos. Wir alle haben ihn als loyalen und integren Menschen erlebt, solche Spielchen sind ihm völlig fremd.

Es gibt auch keinen finanziellen Aspekt in der Geschichte, Jupp hat in seiner langen, erfolgreichen Karriere so viel Kohle im Keller gebunkert – die kann er im Leben nicht mehr verheizen. Er wollte sich Zeit lassen, seine Gesundheit ebenso überprüfen wie seine Eigenmotivation.

Außerdem war zum Jahreswechsel doch eine Offerte der Bayern gar nicht zu erwarten, Louis van Gaal hatte gerade verlängert. Dass bei Heynckes (wie auch bei jedem anderen Trainer) das Fieber steigt, wenn die Bayern mit ihm flirten, ist doch absolut verständlich. Das ist der beste Klub mit dem besten Kader und genug Geld.

Der Zeitpunkt könnte nicht günstiger sein, das Flaggschiff des deutschen Fußballs zu übernehmen – nach der Pleiten-Saison kannst du ja nur gewinnen. Für Jupp besitzt es sicher großen Reiz, mit seinem engen Freund Uli Hoeneß noch einmal gemeinsam Erfolge zu feiern.

Dennoch sehe ich Bayer nicht chancenlos. Jupp hat den Verein mit ruhiger Hand zurück nach Europa geführt und genießt höchstes Ansehen, gerade in der Mannschaft. Die junge Truppe ist ihm ans Herz gewachsen und lange nicht am Ende der Entwicklung.

Sollte Jupp Heynckes sich tatsächlich für die Bayern entscheiden, geht es in Leverkusen normal weiter. Dann holt man den Trainer, den man sich für 2012 als Heynckes-Nachfolger ausgeguckt hat, eben schon ein Jahr früher.

 



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