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10 Jahre nach dem EM-Fiasko: "Wir sind aus den Trümmern auferstanden"
10 Jahre nach dem EM-Fiasko: "Wir sind aus den Trümmern auferstanden"

Don Calli macht die Weltmeisterschaft rund (2) - Reiner Calmund schreibt im Express


Was mich nach dem tollen Auftaktspiel unserer Jungs am meisten gefreut hat, waren die Reaktionen aus dem Ausland. Natürlich gab es auch diesmal ein paar Knallköppe, die von „Panzern“ und „Blitzkrieg“ faselten.

Doch aus den weitaus meisten Kommentaren der internationalen Fachpresse triefte es nur so vor Respekt vor der fußballerischen Leistung der Löw-Jungs. Fußball-Herz, was willst du mehr?

Aber: Was wir da bewundern durften, das ist ja kein Ergebnis von Zauberei oder Handauflegen. Es ist das Ergebnis harter Arbeit und eines gelungenen Konzepts. Es ist fast genau zehn Jahre her, da lag der deutsche Fußball in Trümmern.

Die Riesenblamage mit dem sieglosen Ausscheiden bei der Euro 2000 in Holland und Belgien schrie geradezu nach Veränderungen. Und damals wurde das Fundament gegossen, auf dem sich die neue Stärke der Nationalmannschaft begründet.In diesen Zeiten größter Perspektivlosigkeit nahm der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder das Steuerrad in die Hand, holte uns Bundesliga-Manager mit ins Boot und setzte mit einer Handvoll Experten die Renovierung der Nachwuchsarbeit durch.

Das DFB-Talentförderungsprogramm mit Matthias Sammer an der Spitze sowie den erfolgreichen Trainern Horst Hrubesch und Co. leistete enorm gute Arbeit. Sehr wichtig war auch die Einführung der Nachwuchsleistungszentren. Was die meisten nicht wissen: Wenn einer der 36 Profi-Klubs die personellen und baulichen Infrastrukturen nicht umsetzt, gibt es keine Lizenz.

Das alles wurde jahrelang von Rolf Rüssmann († 58) überwacht, der sich jetzt im Himmel über seine gute Arbeit freuen kann. Mit einer schönen Geste würdigte Theo Zwanziger vergangenes Jahr seinen Vorgänger. Als Delegationschef der U 21 erhielt Zwanziger eine Goldmedaille nach dem EM-Triumph. Er schenkte sie spontan Mayer-Vorfelder, dem Initiator des deutschen Jugendstils.

2004 profitierte der damalige Teamchef Rudi Völler von der Konzentration der Kräfte. Zwar schied Deutschland erneut in der Vorrunde der EM aus. Doch die Bundesliga hatte Völler erste Früchte der Arbeit geliefert: Im Kader standen die blutjungen Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm.

Schön, dass die drei nur den Anfang einer Entwicklung bildeten. Im aktuellen Kader stehen – von wenigen Ausnahmen wie Klose, Cacau, Wiese, Butt oder Kießling abgesehen – nur Spieler, die eine Ausbildung genossen, die weltweit führend ist. Die Erfolge der deutschen Nachwuchsteams in den vergangenen Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Mehr und mehr Spieler schaffen den Sprung aus dem Nachwuchs in den Senioren-Profibereich.

Und mit Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Jürgen Klopp, Thomas Schaaf oder Felix Magath haben wir Spitzentrainer, die den Jungs Chancen geben! Lahm, Schweinsteiger, Podolski, Khedira, Özil oder Müller boten gegen Australien Hochgeschwindigkeitsfußball, den man von deutschen Spielern so nicht gewohnt war. Auch dies ist das Ergebnis modernster Trainingsarbeit, hier schmort keiner im eigenen Saft, da wird auch im Ausland abgeschaut, dass sich die Balken biegen.

Mit Neuer, Özil, Khedira, Boateng, Aogo und Marin stehen sechs aktuelle U-21-Europameister im WM-Kader. Dazu kommen noch die jüngeren Badstuber, Müller und Kroos. Das ist eine Wahnsinnsbilanz und ergibt im Ergebnis den jüngsten deutschen WM-Kader seit 1934. Diese Jungs sind in der Lage zu begeistern. Klar, Australien enttäuschte.

Aber Laufkundschaft ist das nicht, das haben die Spieler von „down under“ mit Siegen gegen die WM-Teilnehmer Dänemark und Neuseeland in Testspielen bewiesen. Wir dürfen nicht euphorisch werden. Denn junge Spieler sind Schwankungen unterworfen. Aber: Löw hat das Team der Zukunft geformt. Aus den Trümmern von 2000 ist was Schönes entstanden! Es kann etwas Großes werden. Wenn nicht jetzt, dann später!



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